Pressestimmen: Nichtsdestotrotz e.V.
BZ vom 17.07.2010

Nashorn mit Geldsorgen

Kulturzentrum Nellie Nashorn schließt 2009 mit Defizit ab / Kredite als Überbrückung / Neuer Mann mit vielen Ideen

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. 2009 war für das Nellie Nashorn und den Trägerverein Nichtsdestotrotz ein turbulentes Jahr. Geprägt war es von sehr vielen Aktivitäten und insgesamt 200 Veranstaltungen, aber auch einer finanziellen und personellen Krise am Ende, als man mit mehr als 25000 Euro in der Kreide stand.

Bei der Hauptversammlung von Nichtsdestotrotz am Donnerstagabend schrieb Ingrid Weinmann dieses Defizit hauptsächlich der Renovierung der Villa zu, die im vergangenen Jahr zusammen mit der Stadt realisiert worden war. Beim Trägerverein war eine Summe von 37 000 Euro für die Finanzierung der neuen Möblierung hängen geblieben. Außerdem waren bedingt durch die monatelange Renovierung auch die Umsätze in der Gastronomie rückläufig. Dazu kam dann auch noch der schlechte Sommer. Insgesamt wurden 27 000 Euro weniger eingenommen und 16 000 Euro mehr für Personalkosten ausgegeben.

Dass der Verein trotzdem Anfang Januar die offenen Rechnungen begleichen konnte, verdankt er zwei Krediten von einer Lörracher Firma und einer Privatperson sowie der Einräumung eines kurzfristigen Überziehungskredits seitens der Bank. Schließlich hatte man als Sicherheit den zu erwartenden Zuschuss der Stadt für 2010. Dieser war dadurch freilich fast zur Hälfte aufgebraucht. Um wirtschaften zu können, wurde ein Bankkredit aufgenommen. Weil die Umsätze in den vergangenen Monaten wieder gestiegen sind und sich das Nellie Nashorn durch die Renovierung einen neuen Kundenkreis erschließen konnte, zeigte sich Ingrid Weinmann zuversichtlich, in absehbarer Zeit wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Außerdem gebe es eine große Nachfrage bei Vermietungen — 50 waren es im Jahr 2009.

Mit neuem Vorstand und neuem Chef der Gastronomie will man beim Nellie Nashorn nun frisch in die neue Saison starten. Zurückgefahren wird die Anzahl der Veranstaltungen. So soll es keine Doppelveranstaltungen an einem Wochenende mehr geben. Die 2009 begonnene Reihe "Nellie Nashorn unterwegs in der Alten Halle Haagen" wird nach vereinsinterner Auswertung in der monatlichen Form aufgegeben.

Aufgrund der technischen Gegebenheiten und der Miete dort lief 2009 ein Defizit von fast 3000 Euro auf. Das Nellie wird nichtsdestotrotz auch weiterhin mit großen Veranstaltungen in der Alten Halle Haagen gastieren.

Andreas Richert löste im Juni mit einer Hundertprozent-Stelle Bettina Holzer ab, die erst im Januar 2009 den Bereich Gastronomie übernommen hatte — allerdings nur mit einer 50-prozentigen Stelle. Dies war zu wenig für das Nellie Nashorn, wie sie schnell feststellte. Der neue Mann — er ist der erste sowohl an der Spitze der Gastronomie, als auch im Vorstand — hat jede Menge Ideen. Den Schwerpunkt "bio und regional" will er noch vertiefen und mit "Ess-Kultur" die Veranstaltungen mit der Gastronomie verbinden.

Richert wurde zum zweiten Vorstand gewählt, Monika Mareis zur Vorsitzenden, Mieke Nizet ist Kassiererin. Neu sind auch zwei Beisitzer (Hans Martin Öhler und Tine Staudenmaier. Als Schwerpunkt für 2011 nannte Ingrid Weinmann Jubiläen: 10 Jahre Kindertheatertreffen, 15 Jahre internationaler Theatertreff und 25 Jahre Nellie Nashorn werden gefeiert.
 
 
Die Oberbadische vom 17.7.10

Nellie Nashorn im Aufbruch

Kulturzentrum reagiert auf verlustreiches Jahr und schaut optimistisch in die Zukunft

Von Markus Greiß

Lörrach. 2011 steht das große Fest zum 25-jährigen Bestehen des „Nellie Nashorn“ an. Doch zum Feiern ist den Vereinsmitgliedern im Moment nicht zu Mute.

Im Detail legte Schriftführerin Ingrid Weinmann auf der Jahreshauptversammlung am Donnerstag die Gründe dar, die dem Verein 2009 einen Verlust von 25 000 Euro eingebracht haben.

An oberster Stelle steht die Renovierung der Villa, die in den Sommermonaten durchgeführt wurde. Sie belastete das Budget nicht nur erheblich, sondern führte aufgrund der zeitweisen Schließung auch zu erheblichen Umsatzeinbußen in der Gastronomie - mit gravierenden Folgen: Das Nellie Nashorn erlebte Ende des Jahres seine ganz persönliche Finanzkrise.

Letztlich fanden sich jedoch Spender und ein Kreditgeber, die dem Verein zur nötigen Liquidität verhalfen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Vereinsvorstand optimistisch in die Zukunft schaut. Denn in der Gastronomie des Nellie Nashorn hat mit dem 26-jährigen Andreas Richert ein Mann das Zepter übernommen, der Aufbruchsstimmung verbreitet. Als gelernter Einzelhandelskaufmann und Sohn eines Gastwirts fühlt sich Richert auf dem Posten des Gastronomie-Geschäftsführers wohl.

Kosten müssen aber nicht nur im Gastronomie-, sondern auch im Kulturbereich gesenkt werden. Rund 200 Veranstaltungen hat das Nellie Nashorn im Jahr 2009 durchgeführt. Davon entfielen 30 Prozent auf Anlässe für Kinder, weitere 30 Prozent auf Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen und 40 Prozent auf Kleinkunstveranstaltungen.

Beim Nellie Nashorn sind schon häufig junge, noch recht unbekannte Künstler aufgetreten. An dieser Aufgeschlossenheit des Nellies für junge Künstler soll sich auch nichts ändern, aber an einer Ausdünnung des Programms führt kein Weg vorbei.

Trotz der Verluste des Jahres 2009 hat die Jahresversammlung den alten Vorstand einstimmig entlastet. Ohne Gegenstimmen liefen auch die Neuwahlen ab. Gewählt wurden Monika Mareis (1. Vorsitzende), Andreas Richert (2. Vorsitzender), Mieke Nizet (Kassiererin), Ingrid Weinmann (Schriftführerin), Tine Staudenmaier (Beisitzerin) und Hans-Martin Oehler (Beisitzer).
 
 
BZ vom 15.01.2010

Mehr Kultur ins Café

Nach der Renovierung der Villa sucht das Kulturzentrum Nellie Nashorn nach neuen Konzepten

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Die dreimonatige Renovierung der Nellie-Nashorn-Villa, die schon einige Zeit zurückliegt, wird am kommenden Sonntag groß gefeiert. Dass Café und Seminarräume in neuem Glanz erstrahlen, eröffnet dem soziokulturellen Zentrum auch neue Möglichkeiten der Nutzung von Café und Seminarräumen.

Dass die Renovierung so eine runde Sache geworden ist, wäre ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt nicht möglich gewesen. Diese hatte sich eingeklinkt, nachdem Gunter Braun, der im Rathaus die städtischen Gebäude betreut, sich die mehr als 200 Jahre alte Villa auf dem Flachsländerhof-Areal angeschaut und etliche Mängel festgestellt hatte. Wie Fachbereichsleiter Andreas Schneucker berichtet, sind aus dem Budget der Bauunterhaltung ungefähr 25 000 Euro in die "Substanzerhaltung" geflossen. Etwa noch einmal so viel steuerte der Trägerverein Nichtsdestotrotz für die Möblierung bei — eine Summe, die aus dem laufenden Budget bestritten wurde. Für den Verein ist das eine Belastung, die er nicht einfach so in einem Jahr abarbeiten kann.

Die Leiterin des Nellie Nashorn, Ingrid Weinmann, und Gastronomie-Chefin Bettina Holzer-Kappes ließen sich Anfang des Jahres 2009 bei den Planungen der Sanierung, die den Glanz des alten Gebäudes und den Kern der Villa erhalten und kultivieren sollte, von der Innenarchitektin Brigitta Biegel beraten. Im Sommer und Herbst wurden dann die schönen alten Parkettböden im Café und in den Seminarräumen im ersten Obergeschoss überarbeitet. Farblich getrennt wurden die Bar (rote Wände und Hocker) und der Gastrobereich.

Die Seminarräume bekamen drei verschiedene Lilatöne und graue Vorhänge sowie Arbeitsleuchten. Die Wand, auf die Besucher früher beim Eintritt schauten, wich einem Durchbruch aus Glas. Auch das Treppenhaus wurde renoviert und auf dem Halbstock um ein Raucherseparée erweitert. Dem Rückgang der Besucherzahlen im Café im Zuge des Nichtrauchergesetzes soll damit entgegengetreten werden, auch wenn das nicht überall auf Zustimmung stößt.

Schließlich soll der Gastronomiebereich des Nellie Nashorn mögliche Defizite im Veranstaltungsbereich ausgleichen helfen. Bettina Holzer-Kappes hat sich im Zuge der Renovierung denn auch Gedanken über neue Konzepte gemacht. Mehr Kultur als der monatlich dort stattfindende Poetentreff soll ins Café gebracht werden, etwa bei Themenabenden, die Gastronomie und Kultur miteinander kombinieren. Auch wird die Abendkarte um ein paar leckere Kleinigkeiten erweitert. Wie beim Mittagstisch sollen überwiegend biologische Produkte aus der Region verwendet werden. Insgesamt wurden alle Räume des Hauptgebäudes sichtbar aufgewertet, was sich im Hinblick auf Vermietungen, Tagungen und Veranstaltungen positiv auswirken soll. Ingrid Weinmann betont, dass das Nellie Nashorn auch im neuen Kleid weiterhin offen ist für alle Menschen, die sich hier treffen wollen.

 
 
BZ vom 15.01.2010

Nashorndame hat ein neues Kleid bekommen

Lörrachs soziokulturelles Zentrum auf dem Flachsländerhof wurde renoviert / Feier am Sonntag um 10.30 Uhr

Nach der Renovierung erstrahlt das Lörracher Kulturcafé Nellie Nashorn in neuem Glanz. Gefeiert wird das am Sonntag, 17. Januar, 10.30 Uhr, mit Sekt, Häppchen und Kultur für Jung und Alt. [...]

Die Villa wurde von Juli bis September 2009 von Handwerkern und Firmen renoviert, die Verträge mit der Stadt Lörrach haben. Auch vom Trägerverein "Nichtsdestotrotz" waren Leute im Einsatz, wie die Vorsitzende Ingrid Weinmann berichtet. Gemeinsam mit Bettina Holzer-Kappes, seit einem Jahr Gastronomiechefin im Nellie Nashorn, und Innenarchitektin Brigitta Biegel als Beraterin wurde die Idee verfolgt, bei der Sanierung den alten Kern der Villa zu erhalten und zu kultivieren.

Die Renovierung des 200 Jahre alten Gebäudes auf dem Flachsländerhof, die Fachbereichsleiter Andreas Schneucker als "Substanzerhaltung" charakterisiert, wurde von der Stadt Lörrach mitfinanziert. Aus dem Budget Bauunterhaltung flossen etwa 25 000 Euro in den Umbau. Ebenso viel steuerte der Trägerverein für die Möblierung bei. Dass die Renovierung so eine runde Sache geworden ist, wäre für das soziokulturelle Zentrum ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt nicht möglich gewesen.

Im Café und den Seminarräumen im ersten Obergeschoss wurden die alten Parkettböden überarbeitet, Bar- und
Gastrobereich wurden farblich getrennt. Die oberen Räume bekamen drei verschiedene Lilatöne und graue Vorhänge sowie Arbeitsleuchen, was sie im Hinblick auf Vermietungen, Tagungen und Veranstaltungen aufwertete. Die rote Wand, auf die Besucher beim Eintritt schauten, wich einem Durchbruch aus Glas. Auch das Treppenhaus wurde renoviert und bekam auf dem Halbstock ein Raucherseparée mit Lady Nashorn. Die Werbedame von Heinzpeter Zöllin macht auch an der Straße und mit Theaterrobe vor dem Veranstaltungsraum auf das Nellie Nashorn aufmerksam.

Auch in diesem neuen Kleid ist das Nellie Nashorn weiterhin offen für alle Menschen, die sich hier treffen wollen. In dem schönen Ambiente kann er gemütlich sitzen, sich wohlfühlen und kulinarisch verwöhnen lassen. Die Abendkarte soll um ein paar leckere Kleinigkeiten erweitert werden. Wie beim Mittagstisch werden überwiegend regionale, biologische Produkte verwendet. Ins Café will das Nellie mehr Kultur bringen und beispielsweise kleine Konzerte oder Themenabende anbieten, die Kultur und Kulinarisches verbinden.

Bei der Eröffnung am Sonntag tritt der Chor "14 aufwärts" auf, um 11 Uhr der Kinderzirkus Sauseblau, und um 15 Uhr zeigt das Junge Theater Nellie Nashorn noch mal das Stück "Annemiechen und die Schattenmorellen".

 
 
Die Oberbadische vom 5.12.08


Von Links: Bisherige Vorsitzende Annegret Brake, Schriftführerin Ingrid Weinmann, 2. Vorsitzende Gundel Maier,
1. Vorsitzende Birgit Vaith, Kassiererin: Yvonne Schneider (Foto: Peter Ade)

Sanierung der Villa ist überfällig

Nellie schließt 2007 mit Defizit / Mitglieder wählen Birgit Vaith zur Vorsitzenden

Von Peter Ade

Lörrach. Der Verein „Nichtsdestotrotz“ als Träger des soziokulturellen Zentrums Nellie Nashorn wählte am Mittwoch Birgit Vaith zur neuen Vorsitzenden. Ihre Vorgängerin Annegret Brake wurde für ihren Einsatz geehrt. Schriftführerin Ingrid Weinmann erinnerte an 160 Veranstaltungen, dazu drei Festivals und sieben Projekte in Kooperation mit befreundeten Institutionen. Die Abteilung Theater überraschte mit gefeierten Eigenproduktionen. Mit 25 Mitgliedern ist der neue Freundeskreis eine wichtige Stütze des „Nellie“ in ideeller und finanzieller Hinsicht. Nur so könne die Kulturlandschaft im Dreiland weiterhin erfrischend bereichert werden - mit Theater, Gesang, Comedy, Musik, Kabarett und Kinderkultur auf hohem Niveau.

Einnahmequellen sind Eintrittsgelder bei öffentlichen Veranstaltungen und Aufführungen sowie der eigene Gastronomiebetrieb an der Tumringer Straße, wo fünf Frauen und Männer hauptberuflich beschäftigt sind. Das Gesamtbudget des „Nellie“ bezifferte Ingrid Weinmann mit 230 000 Euro. Das Defizit in Höhe von 17 700 Euro begründete sie mit zum Teil erheblichen Kostensteigerungen und einem Rückgang staatlicher Zuschüsse.

„Nichtsdestotrotz“ gehe der Verein gut aufgestellt und mit vielen Ideen in die Zukunft. Dankbar sei man der Stadt für die Aufstockung des Jahreszuschusses um 20 000 Euro. Der kommunale Anteil am Budget liege bei 28 Prozent. Die 44 Mitglieder erwartet ab Januar eine Erhöhung des Jahresbeitrags von 20 auf 30 Euro.

Über erfolgreiches Wirken der Abteilungen berichteten Vaclav Spirit (Theatergruppe „Gut & Edel“), Annegret Brake (Jazzchor) und Uta Maria Lahr (Gesangskabarett). Die meiste Arbeit erbringt das „Junge Theater Nellie Nashorn“.

Insgesamt erwartet Ingrid Weinmann ein „spannendes Jahr“. Gestartet wird am 4. Januar mit dem Burghof- Gastspiel der Kabarettisten Florian Schroeder und Volkmar Staub. Geplant sind ein Jugend-Theater-Festival, eine Projektwoche im Juni zum Thema „Wasser“ und ein kleines Raritäten-Filmfestival im Flachsländer Park. Als überfällig bezeichnete Weinmann die Sanierung der Villa. Ein Konzept sei in Arbeit.

Der neue Vorstand:
Birgit Vaith (Vorsitzende), Gundel Maier (2. Vorsitzende), Yvonne Schneider (Kassiererin) und Ingrid Weinmann (Schriftführerin).

 

 
BZ vom 05.12.2008

Für die Grundsicherung mehr tun

Nellie-Nashorn-Trägerverein Nichtsdestotrotz bilanziert das Jahr 2007 / Zahlreiche Aktivitäten / Birgit Vaith ist neue Vorsitzende

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Beim Nellie Nashorn hat man das Jahr 2007 mit einem Minus von 17 776 Euro abgeschlossen. Was eigentlich "Schnee von gestern" ist, kam bei der Hauptversammlung des Trägervereins Nichtsdestotrotz noch einmal auf den Tisch.

Ingrid Weinmann sah indes in finanzieller Hinsicht für das laufende Jahr schon wieder eine Entspannung — eine Entwicklung, die sich 2009 dank der gerade eben beschlossenen Erhöhung der städtischen Zuschüsse um 20 000 Euro auf 80 000 Euro wohl fortsetzen wird. Allerdings sinken die Zuschüsse vom Landesverband Jahr für Jahr. Deshalb und weil das Beantragen von Projektzuschüssen so mühsam ist, müsste in puncto Grundsicherung mehr gemacht werden, meinte Diskussionsleiter Gerd Wernthaler.

Der Versammlung erläuterte die Schriftführerin, zugegebenermaßen etwas spät im Jahr, den Jahresbericht und die Bilanz für das Jahr 2007. Mehr als 160 Veranstaltungen aller Sparten seien sehr gut besucht gewesen. Zudem gab es drei Festivals und sieben Projekte in Kooperation mit anderen Institutionen.

Vertreter der kreativen "Eigengewächse" trugen wie jedes Jahr die zahlreichen Aktivitäten zusammen, die unter dem Dach des soziokulturellen Zentrums in diesem Zeitraum gelaufen sind. Neben den Kinder- und Jugendtheatergruppen, dem Jazzchor Flat & Co , dem Theater Gut & Edel und den Sunshine Doreen Starlets gehören zu der Szene im Nellie Nashorn auch der Poeten-Treff "Klappe auf" und seit neustem ein Tango Milonga- und ein Lachyoga-Treff.

Als Neuerungen im Jahr 2007 rief Ingrid Weinmann noch einmal die Gründung der "Freunde des Nellie Nashorn" und die Einführung des Ticketing-Systems Reservix in Erinnerung. Auch wurde damit begonnen, vermehrt für den Vermietungssektor zu werben. Seitdem steigen die Vermietungen stetig an.

Die Gastronomie bietet mittlerweile gute Verdienstmöglichkeiten. Das kleine Plus durch den Geschäftsbetrieb in Höhe von 1190 Euro hatte aber bei weitem das Defizit nicht ausgleichen können, das 2007 vor allem durch Nachzahlungen an die Künstlersozialkasse, die Erhöhung der Gema-Gebühren und Gebäudenebenkosten, aber auch durch die Anschaffung neuer Technik entstand, die aufgrund des Alters von Haus und Inventar nötig waren.

Die Villa ist nach 13 Jahren renovationsbedürftig. Deshalb soll demnächst ein Gesamtkonzept erarbeitet und eruiert werden, ob es Zuschüsse von der Stadt gibt. Außerdem braucht das Nellie Nashorn dringend einen Lagerraum.

Anstelle von Annegret Brake, die nicht mehr zur Wahl antrat, wurde Birgit Vaith einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden im Amt bestätigt. Diskutiert und abgestimmt wurde auch die Erhöhung des Vereinsbeitrags von bisher 20 Euro im Jahr auf 30 Euro ab 2009.

 
 
BZ vom 12.10.2007


Stücke wie Bilderbücher

Neue Kindertheatergruppe im Nellie Nashorn gegründet

LÖRRACH (BZ). Im Jahr 1999 gründete Birgit Vaith zusammen mit acht Kindern die erste Kindertheatergruppe im soziokulturellem Zentrum Nellie Nashorn. Nach der ersten Premiere begann die Gruppe unaufhaltsam zu wachsen. Mittlerweile machen in vier Theatergruppen rund 50 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und zwanzig Jahren mit großer Spielfreude im Nellie Nashorn ambitioniertes Kinder- und Jugendtheater.

Die Kindertheatergruppen inszenieren Bilderbuchgeschichten, Kinderbücher oder Märchen. Dem Jungen Theater dienen Jugendthemen oder Romanvorlagen als Grundlagen ihrer Theaterinszenierungen. Aufwärmspiel, Körper-, Rollen- und Sprachspiele, Improvisation, Musik und Tanz sind wichtige Bausteine der Probenarbeit. Die wöchentlichen Proben werden durch zusätzliche Wochenendproben intensiviert. Die Inszenierungen zeichnen sich vor allem durch phantasievollen, kreativen Spielwitz aus. Mit Schwung und Elan werde selbst brisanter Stoff durch komische Elemente gebrochen. Die Stücke glichen oft bunten Bilderbüchern, die dem Zuschauer eine lebendige Theaterwelt eröffneten, heißt es in einer Selbstdarstellung. Die Theaterstücke werden inzwischen vermehrt auch in Schulen, Kindergärten und anderen Kultureinrichtungen gezeigt. Ein weiterer Höhepunkt bedeutet die nunmehr zweijährige Kooperation mit der französischen Jugendtheatergruppe "Les Hippopotames" aus Lothringen.

Seit Oktober gibt es im Nellie Nashorn eine neue Kindertheatergruppe. Teilnehmen können Kinder von 10 bis 12 Jahren. Geprobt wird mittwochs von 16.30 bis 18 Uhr im Veranstaltungsraum des Nellie Nashorn. Interessenten können sich unter Telefon: 07621/166101 melden.
 

 
BZ vom 26.9.2007

 

Finanzielle Situation des Nellie "bedrohlich"

Ratsfraktion der Grünen tagt im Nellie / Mehr Zuschussbedarf

LÖRRACH (BZ). Das soziokulturelle Zentrum Nellie Nashorn hat eine Erhöhung des städtischen Zuschusses beantragt. Im Herbst hat der Gemeinderat über diesen Antrag zu entscheiden. Grund für die Fraktion der Grünen im Lörracher Gemeinderat, ihre Sitzung im Nellie abzuhalten und sich über die Arbeit und die finanziellen Probleme zu informieren. Die Fraktion der Grünen, heißt es in einer Pressemitteilung, ist mit den Verantwortlichen des Nellie einig, dass die Einrichtung im derzeitigen Bestand nicht gefährdet werden dürfe und unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen und politischen Lebens der Stadt sei.

 

Ende dieses Jahres läuft der Fördervertrag zwischen Stadt und Nellie aus. Bei einem Jahresbudget des Nellie von 273 000 Euro beträgt der derzeitige städtische Zuschuss 92 400 Euro. Davon gehen nach Angaben der Grünen 26 000 Euro als Miete für das Flachsländerhof-Areal direkt an die Stadtkasse zurück. Das Land Baden-Württemberg zahlt zusätzlich ein Drittel des städtischen Zuschusses. Der städtische Zuschuss müsse sich nach Ansicht der Verantwortlichen des Vereins Nichtsdestotrotz, der das Kulturzentrum betreibt, um jährlich 28 000 Euro erhöhen, wenn das jetzige Angebot beibehalten werden soll.

 

Ingrid Weinmann und Cathy Wind, die Geschäftsführerin des Kulturzentrums, informierten die Fraktion, dass zwei Drittel des Nellie-Budgets von dessen Mitarbeitern selbst erwirtschaftet würden, rund ein Viertel davon seien Eintrittserlöse der rund 170 Veranstaltungen im Jahr.

 

Um finanziellen Engpässen zu begegnen, wurden im vergangen Jahr Einsparungen vorgenommen. Es gab in den letzten Jahren keine Lohnerhöhungen, die Festanstellungen wurden um eine viertel Stelle reduziert und das ehrenamtliche Engagement erweitert, so Weinmann. Gleichwohl sähen die Verantwortlichen des Nellie die finanzielle Situation als "bedrohlich" an. In den letzten Jahren seien die Kosten im Kinder- und Jugendbereich, bei den Gebäuden, bei Technik und Werbung und die Gagen sowie die Lohnnebenkosten merklich gestiegen, was mit dem nahezu gleich gebliebenen Zuschuss trotz der Einsparungen nicht aufgefangen werden könne.

 

Fraktionsmitglieder erinnerten daran, dass das Nellie das Sparprogramm "Lörrach 10 Pro" mitgetragen habe. Bei anderen städtischen Kultureinrichtungen, die von den Kürzungen ebenfalls betroffen waren, trage die Stadt die Personalkosten, außer beim Burghof. Das Nellie müsse diese selbst erwirtschaften. "Es ist uns wichtig, dass das Nellie auch künftig kulturelle Angebote machen könne, bei denen der Gewinn nicht an erster Stelle steht," betonte Gerd Wernthaler. Insbesondere nannte er das theaterpädagogische Angebot der Kinder- und Jugendtheatergruppen und dessen ständige Erweiterung aufgrund der regen Nachfrage.

 
BZ vom 13.07.2007

"Nellie" braucht mehr Geld

Das soziokulturelle Zentrum erhofft sich vom neuen Zuschussvertrag eine bessere Förderung

Von unserem Redakteur Willi Adam

LÖRRACH. Das soziokulturelle Zentrum Nellie Nashorn geht mit dem Wunsch nach einer Erhöhung des städtischen Zuschusses in die Verhandlungen um einen neuen Fördervertrag. Zumindest sollte das jetzige Angebot abgesichert und eine Entspannung bei der personellen Ausstattung erreicht werden. Das Nellie Nashorn geht ohne eine konkrete Forderung in die Verhandlungen. Im Raum steht jedoch ein zusätzlicher Betrag von etwa 28 000 Euro, der 2006 ohne außerplanmäßige Einnahmen im Budget gefehlt hätte.

Das Kulturzentrum Nellie Nashorn mit dem Verein Nichtsdestotrotz als rechtlicher Träger gehört zu den Einrichtungen, die im laufenden und in den kommenden beiden Jahre über das Globalbudget für Kultureinrichtungen mit gleich bleibenden Beträgen gefördert werden. Unabhängig von dieser Budgetierung läuft Ende 2007 der bestehende Fördervertrag zwischen Stadt und Nichtsdestotrotz aus. Für die Leiterin des Nellie Nashorn, Ingrid Weinmann, ist das ein Anlass, um bei der Existenzsicherung des soziokulturellen Zentrums nachzubessern.

Die Einrichtung legt für ihre Wünsche die Bilanz aus dem Jahr 2006 zugrunde. Bei einem Jahresbudegt von insgesamt 250 000 Euro war der städtische Beitrag insgesamt 92 400 Euro. 26 000 Euro gehen als Miete direkt in die Stadtkasse zurück . Über die Arbeitsgemeinschaft der soziokulturellen Zentren (LAKS) erhält das Nellie Nashorn noch 30 000 Euro aus einem Landestopf. Diese Landesförderung, so rechnet Ingrid Weinmann vor, ist in den vergangenen Jahren von einem ursprünglich hälftigen Zuschuss auf eine etwa 30-prozentige Komplementärförderung zusammengeschrumpft. Etwa zwei Drittel des Budgets erwirtschaftet das Nellie Nashorn selbst, gut ein Viertel davon sind Eintrittserlöse aus den rund 170 Veranstaltungen im Jahr. "Das zeigt, dass unser Programm ankommt" , sagt Ingrid Weinmann im BZ-Gespräch.

Trotz dieser günstigen Entwicklung wäre es 2006 nicht möglich gewesen, das Budget ausgeglichen zu halten, wenn es nicht im Zusammenhang mit dem 20-jährigen Bestehen besondere Einnahmen und Zuwendungen gegeben hätte. Ohne diese Sondereffekte hätten 28 000 Euro gefehlt. Etwa in dieser Größenordnung müssten folglich die Zuschüsse wachsen, wenn das jetzigen Angebot beibehalten werden soll. Genau bezifferte Forderungen erhebt Ingrid Weinmann nicht. "Das kann sich jeder ausrechnen" , sagt sie.

Im laufenden Jahr versucht die Einrichtung klar zu kommen, indem Anschaffungen zurückgestellt werden und indem vorläufig auf eine Aufrundung der augenblicklich 1,5 Stellen in der Verwaltung und Organisation verzichtet wird. Ein Dauerzustand könne dies aber nicht sein, die gestiegenen Kosten für Betrieb und Gagen können nicht weiter kompensiert werden. Ein weiteres Ziel ist, die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters einigermaßen adäquat zu bezahlen. "Wir funktionieren nur, weil wir so viel ehrenamtlich machen" , so Ingrid Weinmann.

25 soziale und kulturelle Gruppen arbeiten regelmäßig im Nellie Nashorn, dazu kommen das Gastspielprogramm und die eigenen Kulturprojekte. "Wenn die Stadt so einen Betrieb selbst organisieren müsste" , sagt Ingrid Weinmann, "dann wäre das gar nicht zu bezahlen."

 

 
BZ vom 15.06.2007

Das Geld reicht nicht aus

Nellie Nashorn will Kinder- und Jugendarbeit bei Verhandlungen stärker gewichten

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Dem Kulturzentrum Nellie Nashorn droht mittelfristig eine prekäre Finanzsituation. Dies wurde bei der Hauptversammlung des Trägervereins "Nichtsdestotrotz" deutlich. Schon im Jahr 2006, das von den Feiern zum 20-jährigen Bestehen geprägt war, konnte ein negativer Abschluss nur durch einmalige Mehreinnahmen aufgefangen werden. Für die Zukunft bedeutet das: Das Geld reicht nicht aus.

Das liegt, wie Ingrid Weinmann bei der Hauptversammlung des Trägervereins "Nichtsdestrotrotz" am Mittwochabend deutlich machte, zum einen daran, dass die Arbeit umfangreicher geworden ist. Außerdem sind die Lohn- und Nebenkosten sowie die Künstlergagen gestiegen. Deshalb muss die Gastroabteilung den Kulturbereich jährlich mit einem Betrag von grob gerechnet 26 000 Euro unterstützen, 2006 kamen außer der Reihe noch Spenden und Sponsoring zum Jubiläum sowie Projektgelder dazu.

Das Nellie Nashorn gehört ja zu den Kultureinrichtungen der Stadt, die bis 2009 über ein Globalbudget finanziert werden. Zusätzlich gibt es einen Zuschussvertrag zwischen dem sozio-kulturellen Zentrum und der Stadt, der nach 2007 ausläuft. Was bei den anstehenden Verhandlungen vielleicht noch stärker als die gestiegenen Ausgaben in die Waagschale geworfen werden könnte, ist die Betonung auf das Wörtchen "Sozio" -Kultur. Ein Viertel der Arbeit liegt nämlich im Kinder- und Jugendbereich, wo keine Profite erzielt werden können. Mehr noch: Vereinsmitglieder wiesen darauf hin, dass gerade hier nicht bloß vom SAK im benachbarten Alten Wasserwerk, sondern auch vom Nellie Nashorn Beiträge erbracht würden, die anderswo städtischen Jugendreferenten obliegen. Hier werde wertvolle Erziehungsarbeit beispielsweise im Hinblick auf Gewaltprävention geleistet. Angeführt wurde an dieser Stelle die qualitativ hochwertige Theaterpädagogik von Birgit Vaith in den nunmehr vier hauseigenen Kinder- und Jugendtheatergruppen. Gerade in den aktuellen Aufführungen wurden Themen wie "Gewalt unter Jugendlichen" oder "übermäßiger Alkoholgenuss" aufgegriffen. Deshalb besuchten Schulklassen die Aufführungen und die Anfragen diesbetreffend nehmen immer mehr zu, wie Kathy Wind berichtete, die jetzt im Team für die Kinder- und Jugendkultur zuständig ist.

Mehr Fördertöpfe und Projektgelder von Stiftungen aufzutun, wie es Thorsten Blank von Tempus fugit vorschlug, sehen sich Weinmann und Wind nicht imstande. Sie teilen sich derzeit 1,5 Stellen: "Das ist sehr aufwändig und überfordert uns mit unserem Stundenkontingent" . Baldmöglichst geändert haben möchte die Nellie-Leitung auch, dass Birgit Vaith für ihre Arbeit bis dato so gut wie nicht bekommt. Immerhin hat sie anno 2006 600 Stunden investiert.

Auch in anderen Bereichen wie der Vermietung von Räumen an Gruppen und Initiativen übernimmt das Nellie Nashorn Aufgaben der Stadt. Von der Gastronomie hatten Yvonne Schneider und Eva Maier Neues zu berichten. So gibt es jetzt ein monatliches Frühstücksbüffet und einen rauchfreien Mittagstisch. War man vor der Fußball-WM 2006 noch skeptisch gewesen, will man 2008 auf jeden Fall bei der EM mit besonderen Angeboten dabei sein.


 
 

Die Oberbadische vom 15. Juni 2007

Neue Nashorn- Freunde gesucht
Alternatives Kultur-Café möchte nicht am Programm sparen

Lörrach (dr). Mit 168 Kulturveranstaltungen war das Nellie Nashorn im vergangenen Jahr so aktiv wie nie. Dies lag auch am 20. Geburtstag, den die alternative Kulturstätte 2006 begehen konnte (wir berichteten). Am Mittwoch traf sich der Trägerverein mit Namen „Nichtsdestotrotz“ zu seiner Jahreshauptversammlung im Nellie.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit des Nellie Nashorn liegt im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters, auf den allein über 40 Veranstaltungen entfielen.
Unter der Sitzungsleitung von Gerd Wernthaler berichtete die Geschäftsführerin des Nellie Nashorn, Ingrid Weinmann-Zöllin, über das zurückliegende Jahr. Neben den Jubiläumsveranstaltungen im Bambuszelt sei auch die Verabschiedung von Anette Eckstein aus dem Nellie-Team ein herausragendes Ereignis gewesen. Inzwischen ist mit Kathy Wind eine neue Kraft in das Leitungsteam eingetreten. Mit 75 000 Besuchern habe man ein Rekordergebnis erreicht, die Einnahmen aus Eintrittsgeldern seien dadurch um 12 800 Euro gestiegen.
Trotzdem bereiten die Finanzen größere Sorgen. Selbst wenn das vergangene Jahr mit einem kleinen Überschuss abgeschlossen werden konnte, müssten für die Zukunft dringend neue Geldquellen erschlossen werden. „Durch größere Zuwendungen von Spendern und Sponsoren zum Jubiläum wurden unsere Aufwendungen ausgeglichen“, sagte Weinmann-Zöllin. Dies seien aber einmalige Umstände gewesen. Neben den Kosten für Energie, Wasser und Müllabfuhr seien auch die Gagen weiter gestiegen. Seit März dieses Jahres gebe es darum den Förderverein „Freunde der Nashörner“. Mit einem Mindestbeitrag von 50 Euro im Jahr könne man hier die „Nashörner“ unterstützen. Jetzt werden dringend weitere „Nashornfreunde“ gesucht.
In diesem Jahr läuft, der Fördervertrag mit der Stadt Lörrach aus - es muss neu verhandelt werden. Der Kunst- und Kulturförderkreis (KKF) hat für weitere drei Jahre seine Unterstützung zugesichert. Die Vermietung der Räumlichkeiten für private Anlässe wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten werden immer stärker in Anspruch genommen. Auch die Gruppen des Kinder- und Jugendtheaters für Kinder von elf bis 18 Jahren, Leitung Birgit Vaith, erfreuen sich einer großen Nachfrage.
Der Vereinsvorstand mit Annegret Brake (Vorsitz), Gundel Maier (2. Vorsitz), Yvonne Schneider (Kassiererin) und Ingrid Weinmann-Zöllin (Schriftführerin) wurde einstimmig entlastet.

 

Die Oberbadische vom Mittwoch 4. Oktober 2006

Verstärkung fürs "Nellie"
Kathy Wind übernimmt Kinderkultur

Von Michaela Wasmer

Die 30-jährige Ethnologin Kathy Wind übernimmt den Kinderkulturbereich im Nellie Nashorn. Sie löst darin Ingrid Weinmann ab, die seit Juli Geschäftsführerin des Kulturzentrums ist (wir berichteten).

Seit gut einer Woche nun ist Kathy Wind Teil des „Nellie"-Teams. Derzeit wird die 30-Jährige eingearbeitet und verschafft sich Einblicke in die vielfältigen Tätigkeiten, die sie erwarten. Kathy Wind wird nicht ausschließlich den Kinderkulturbereich übernehmen - sie ist in die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen rundum eingebunden: von der Künstlerbetreuung über das Verkaufen der Eintrittskarten und das Drucken der Plakate bis hin zur Bestuhlung. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, erzählt die neue Kultur-Schaffende des „Nellie", die insbesondere die familiäre Atmosphäre des Hauses „auch aus Elternsicht" schätzt. Beeindruckt zeigte sich die zweifache Mutter über die bisher geleistete Arbeit im Kinderkulturbereich. Sie selbst hat „schon alles Mögliche angedacht", mit der Konkretisierung will sie allerdings warten, bis sie sich einen umfassenden Überblick über das „Nellie" verschafft hat.

Die Möglichkeit, in der Kulturarbeit im Kinder- und Jugendbereich tätig zu sein, sowie die Felder Projektplanung und -umsetzung haben sie an der ausgeschriebenen 50-Prozent-Stelle gereizt. Kinder und Beruf bringt sie mit Hilfe einer Tagesmutter und ihrem Organisationstalent unter einen Hut.

Die gebürtige Offenbacherin, die vor drei Jahren mit ihrer Familie nach Lörrach zog, studierte zunächst Ethnologie und Pädagogik in Marburg. Nach ihrem Studium war sie zwei Jahre in der dortigen völkerkundlichen Sammlung beschäftigt, kümmerte sich um Ausstellungsprojekte, die Pflege der Sammlung und gab Seminare für Studenten. Von dort kennt sie die Freuden, aber auch die Herausforderungen, die die Organisation eines kleineren Hauses mit sich bringen: „Plakate machen, Öffentlichkeitsarbeit, das Budget im Auge behalten - dort war alles handgemacht." Das, sowie ihre Erfahrung bei der Durchführung von Museums-Projekten für Kinder und nicht zuletzt die persönliche Sympathie gaben für Ingrid Weinmann und ihr Team den Ausschlag, die Stelle an Winter zu vergeben. „Zudem ist sie relativ neu in Lörrach, da sieht man Dinge anders, kann neue Impulse liefern", ergänzt die Geschäftsführerin. Neue Impulse, die hat Kathy Wind schon ins „Nellie" hineingebracht. So ist etwa für die Adventszeit ein Kreativ-Aktiv-Kinderprogramm mit Märchenstunde und Basteln geplant.
 

 
vom Donnerstag, 21. September 2006

Der Dickhäuter feiert

Mit einer Geburtstagsgala begann die Jubiläumswoche des Nellie Nashorn / Viele gute Wünsche

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Glückwünsche, Danksagungen, Rückblicke, Ständchen und viel Lob erhielt das Nellie Nashorn bei der Gala anlässlich des 20-jährigen Geburtstags am Dienstagabend im eigens für die Jubiliäumsveranstaltungen aufgestellten Bambuszelt.

In allen Reden tauchte natürlich das "Wappentier" des Kulturzentrums auf, das Nashorn Nellie, das vor 20 Jahren in Lörrach landete, um fortan kulturell zu wirken. Die Besucher der Gala wurden zuvor schon von zwei von Hans-Peter Zöllin aus Holz herausgeschnittenen Prachtexemplaren empfangen, mehrere große Holzhörner des Künstlers Paolo Pinna schmückten den Eingangsbereich.

Ein passendes Tier haben sich die fünf Gründerinnen damals ausgesucht: Einen veritablen Dickhäuter, an dem naturgemäß vieles abprallt. Weitere Eigenschaften des (Kul)Tiers beschrieben die Gratulanten. Es habe ein sehr gutes Gespür und einen hervorragenden Geruchssinn. Dafür sei sein Sehvermögen (Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm meinte, man könnte stattdessen auch Realitätssinn sagen) aber nicht so gut ausgebildet. Das Nashorn sei nur scheinbar aggressiv, selbstbewusst, frech und doch sehr sensibel, fand Landrat Schneider. Kurz gesagt: "Raue Schale, weicher Kern." Jahrelang gewährten Freunde, Sponsoren (vor allem Sparkasse, Badenova und die Brauerei Lasser) und die Stadt der jungen Nellie Artenschutz und begleiteten sie beim Erwachsenwerden. Deshalb sei das Nashorn in Lörrach jedenfalls nicht vom Aussterben bedroht, versicherte die Oberbürgermeisterin.

Eigentlich hatte die Gala ein rauschendes Geburtstagsfest mit Beiträgen und Überraschungen der kreativen Hausmarken werden sollen. Überschattet wurde das Fest jedoch vom Tode Kirsten Janckes, die dem Zentrum eng verbunden war. So verzichteten die Schauspieler von Birgit Vaith, die Sunshine Doreen Starlets und das Theater Gut & Edel auf einen Auftritt, wofür Geschäftsführerin Ingrid Weinmann-Zöllin bei den Gästen um Verständnis warb. Dank der swingenden Lieder des Jazzchors Flat & Co — ausnahmsweise von Henry Uebel geleitet — , heiteren Szenen aus der Produktion "Hin und weg" von Tempus Fugit, zwei von Paula Simms, George Ricci und Andy Frizell dargebotenen souligen Songs und natürlich den tollen, auf Wunsch des Geburtstagskindes in Reimform gehaltenen Grußworten gelang ein verhalteneres, nichtsdestotrotz ein schönes Fest.

Die Jubiläumswoche dauert noch bis Sonntag. Jeden Tag ist das Speisenangebot auf das Programm abgestimmt.
 

vom Samstag, 16. September 2006

Originell, sensibel, feminin

Fünf junge Frauen wollten alles für alle — und gründeten vor 20 Jahren ein Kulturzentrum

Von unserer Redakteurin Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Am Anfang waren fünf arbeitslose Lehrerinnen voller Ideen und Energie und ein kaum mehr genutztes Jugendzentrum. Das Quintett entschied sich gegen den Katzenjammer und für einen kühnen Versuch. Es entstand ein Konzept für ein Kulturzentrum, das nicht bescheiden war und im Grunde auch nicht sonderlich realistisch. Trotzdem wurde das Zentrum Wirklichkeit — nächste Woche wird es 20 Jahre alt.

Die fünf Frauen wollten alles für alle: Theater, Musik und Kunst ein Forum bieten, Fortbildungen und Workshops, Kurse für Kinder, Erwachsene und Senioren organisieren, das künstlerische Potenzial von Gruppen und Einzelnen in der Region sammeln und fördern, Auftrittsmöglichkeiten bieten und Treffpunkt sein. Ein paar "wichtige" Leute ließen sich anstrecken — das Nellie Nashorn entstand.

Der Name ist ein Stolperstein, die Gründerinnen erklären ihn so: Das Nashorn ist ein sympathisches Tier, irgendwie originell, sensibel und robust zugleich. Dass es einen

femininen Namen kriegen musste, war klar. Das Zentrum war von der Gründung bis heute eine sehr weibliche Angelegenheit. Alle Hauptamtlichen, alle Vorständler waren und sind Frauen. Nicht, weil Männer hier nichts zu suchen hätten, im Gegenteil. Man — frau — möchte nur keinen "Platzhirsch" .

Auch die Geburt des Dinosauriers, des großen Kulturzentrums Burghof, wurde wider anfängliche Befürchtungen unverletzt überstanden. Es hat sich bewahrheitet, was die langjährige Geschäftsführerin Anette Eckstein von Anfang an hoffte: Die Konkurrenz belebte das Geschäft. Lörrach ist Kulturstadt geworden, das große, jüngere und das kleine, ältere Zentrum haben ihren erheblichen Anteil daran.

Anette Eckstein, die im Juli als Geschäftsführerin abtrat und die Arbeit an die langjährige Vizechefin Ingrid Weinmann-Zöllin übergab, hinterließ ein wohl bestelltes Feld. Zwar ging sie in einer Zeit, in der es finanziell wieder enger wird, und doch: andere hat es eigentlich nie gegeben.

Der Kampf um die nötigen Mittel hat immer einen guten Teil der Energie gebunden. Zwar hat die Stadt dem Nellie Nashorn nach der von Ehrenamt und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geprägten Anfangszeit wachsende Zuschüsse gewährt und etablierte sich auch das Café rasch. Zurücklehnen aber konnte man sich nie. Und wird es auch künftig nicht können.

Freilich hat sich die Stadt auf der Mitte der Strecke, die bis heute zurückgelegt wurde, entschieden, für einiges Geld das historische Flachsländer Hof-Areal gründlich zu sanieren. Anfangs war das Soziokulturelle Zentrum mit Café, Büros, Veranstaltungsraum und allem, was sonst noch dazu gehört, in dem Bau untergebracht, der heute nur mehr Veranstaltungsraum ist. Die Künstler, unter ihnen die Acapickels oder Georg Schramm in ihrer Anfangszeit, schraubten sich die enge Wendeltreppe herunter und stiegen über das Publikum, um zur Bühne zu gelangen. Solche Szenen mag man heute mit einiger Nostalgie heraufbeschwören — wäre es dabei geblieben, wäre das Zentrum nie dahin gekommen, wo es heute ist. Der Umbau öffnete den Ort für alle Publikumsschichten. Ein Szeneladen wollte das "Nellie" nie sein und politisch waren die Macherinnen ausdrücklich nie exklusiv, aber erst die überaus gelungene Generalsanierung brachte die Akzeptanz bis tief in die bürgerlichen Schichten hinein. Trotzdem ist das Nellie Nashorn bis heute ein bisschen "anders" geblieben. Jetzt wird es unter der Regie von Ingrid Weinmann-Zöllin darum gehen, das Erreichte zu verteidigen und dennoch weiter für Neues, Frisches offen zu sein.

Ein Kessel Buntes — das Nashorn feiert

Sechs Tage Geburtstagsfest

LÖRRACH (seh). Zum 20-jährigen Bestehen zeigt das soziokulturelle Zentrum Nellie Nashorn eine Jubelwoche lang, was es kann und wofür es steht. Das sind hochkarätige Gastspiele, aber auch die ganze bunte Palette der Eigenproduktionen. Damit möglichst viele die Woche genießen können, wird nicht im Veranstaltungsraum gefeiert, sondern im größeren Bambuszelt im Garten.

Die Woche beginnt am Dienstag, 19. September, um 19 Uhr mit einer Geburtstagsgala voller Überraschungen, die wieder bunt und unkonventionell zu werden verspricht. An den folgenden vier Abenden kommen je um 20.30 Uhr Stammgäste vorbei: Die Kabarettisten Volkmar Staub und Florian Schroeder sind am Mittwoch mit Teilen ihrer Soloprogramme "Neues von der Heimatfront" und "Auf Ochsentour" im Zelt; Paula Simms, Georg Ricci und Andy Frizell bringen am Donnerstag "More Songs for Ghosts" . Am Freitag kommt Stiller Has mit dem Konzertprogramm "Geisterbahn" , anschließend gibt es Disco. Am Samstag ist Bea von Malchus mit dem Erzähltheater "Das Bazilikonmädchen" zu Gast.

Am Sonntag gibt es das Nellie Nashorn "zum Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Kennenlernen" , wie es im Programm heißt — und das den ganzen Tag über. Um 11 Uhr sind Flat & Co und die Scatn´ Types, die beiden Chöre von Annegret Brake, zu hören. Das Kinder-Clown-Theater "Frau Holle" gastiert um 15 Uhr. Um 17 Uhr hat die deutsch-französische Koproduktion "Paris 1900" Premiere. Es spielen das Junge Theater Nellie Nashorn und das Theater Le Troupo aus Nancy. Die Verbindung entstand beim Internationalen Theatertreff im vergangenen Herbst.

Zum Jubiläum hat das Kulturzentrum eine Festschrift veröffentlicht, die Einblick gibt in die Entwicklung der letzten 20 Jahre und ins Innenleben. Die Chefinnen von Kulturbetrieb und Gastrobereich, die Köchinnen, Techniker, "Frolleins" und der Trägerverein werden vorgestellt, außerdem die vielen Gruppen, die hier Kultur machen oder sich wöchentlich mit den unterschiedlichsten Anliegen treffen. Die Schrift spiegelt, was hier alles geht. Wer´ s selbst erfahren will, hat nächste Woche viel Gelegenheit dazu.

"Geboren aus Idealismus und Begeisterung" 

Grüße an das Nashorn:

Das Nellie Nashorn ist Keimzelle und Ursprung eines eigenständigen kulturellen Lebens in Lörrach. Ohne die Erfolge und die Bewusstseinsarbeit an diesem Ort wäre auch die Entwicklung zum Burghof hin nicht möglich gewesen.
Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin

Das Nellie Nashorn hat gezeigt, dass sich Regelverstöße lohnen können. Das Fantasietier tanzt noch immer, als wäre es ewig jung und tut unserer Stadt dabei nur gut. Die "Nellies" pflegen und nähren den Boden, aus dem die Fantasie erblühen kann. Nur weiter so! Auf dass das Nashorn und alle artverwandten Tiere auch in Zukunft tanzen.
Helmut Bürgel, Kulturreferent

"Soziokulturelles Zentrum" — so hörte ich vor 13 Jahren, als ich nach Lörrach kam, das "Nellie" beschrieben. Aus der Sicht eines Pfarrers: Ort kirchenkritischer Skeptiker? Dann habe ich mich hier für den "Stillen Has" begeistert, Bea von Malchus mit ihren "Biblischen Geschichten" gehört, manch nachdenkliches Theaterstück gesehen, tolle Musik gehört, viel gelacht, in der Kneipe manches Gespräch geführt. Mittlerweile hat das Café Thomas, der Zweiflertreff, hier so etwas wie Heimat gefunden. Und das "Nellie" ist mit den Theatertagen gelegentlich bei uns in der Stadtkirche. Ich freue mich über diese Verbindungen. Und wünsche den Nashörnern: Bleibt ein Ort, an dem man lachen, feiern, nachdenken kann! Behaltet euer Engagement, auch in schwierigeren Kultur-Zeiten.
Martin Abraham, Pfarrer


20 Jahre Nellie Nashorn — da kann man mal sehen, was bei einer Sache mit 100 Prozent Frauenquote herauskommen kann. Was wir dem Nellie Nashorn wünschen? Dass es quicklebendig bleibt und mit Fantasie und Hartnäckigkeit alle künstlerischen und existenziellen Herausforderungen meistert.
Hans-Werner Grotefendt, Altbürgermeister, und seine Frau Rita

Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser — ich wünsche den aktiven Nashörnern, dass ihnen beides noch lange Zeit erhalten bleibt.
Klaudia Klein, Alt-Stadträtin

Glückwünsche — auf weiterhin kreative geschwisterliche Zusammenarbeit!
Jürgen Wiesenhütter, SAK

Ich wünsche dem Kulturzentrum in den nächsten 20 Jahren viele Lehrer, die aus der Schule raus direkt ins "Nellie" reinlaufen — und wenige, die aus dem "Nellie" raus direkt in den Schuldienst reinlaufen.
Florian Schröder, Kabarettist

Liebes Nashorn! Zu einer Zeit, als mich noch kaum ein Veranstalter kannte, geschweige denn spielen ließ, habe ich bei Euch einen meiner chaotischsten und bemerkenswertesten Auftritte gehabt — für mich und sicher auch für meine Augenzeugen ein prägendes Ereignis. Dafür Euch meinen immer währenden Dank!
Georg Schramm, Kabarettist

Anders als das gemeine "Spitzmaulnashorn" ist dieses hier aus Idealismus, Begeisterung und Solidarität geboren worden. Jetzt steht es auf kräftigen vier Beinen, hat zwei Hörner und eine dicke Haut. Lasst es weiter behäbig und schnell, gemütlich und angriffslustig, behütend und überraschend wachsen. Alles Gute von Karin Maßen und allen Tempus fugitlern, die dem "Nellie" viel verdanken.
Karin Maßen und Tempus fugit
 

vom Freitag, 7. Juli 2006

Anette Eckstein sagt heute als "Nashorn vom Dienst" Adieu 

LÖRRACH. Vor 20 Jahren hat die Pädagogin das Nellie Nashorn mit begründet, jetzt wechselt sie in den Schuldienst / Dem Lörracher Kulturbetrieb bleibt sie erhalten

Von unserer Redakteurin Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Als Anette Eckstein den Mitarbeiterinnen im Kulturzentrum Nellie Nashorn und den Mitstreitern und Mitstreiterinnen im Soziokulturellen Zentrum, also der großen Nellie-"Familie" , ihren Entschluss mitteilte, als Geschäftsführerin aufzuhören und in den Schuldienst zu wechseln, da musste manch einer kräftig schlucken. Das "Nellie" ohne Anette Eckstein - das schien im ersten Moment kaum denkbar. Dass mit Ingrid Weinmann-Zöllin zugleich eine Nachfolgerin präsentiert wurde, die Kontinuität verspricht, federte die Wucht der Mitteilung ab. Dennoch: Das Kulturzentrum auf dem Flachsländer Hof-Areal ist so eng mit Anette Eckstein verbunden, dass man sich erst daran wird gewöhnen müssen, dass sie künftig nicht mehr das "Nashorn vom Dienst" ist. Sie wird heute mit einem Fest verabschiedet.

Vor 20 Jahren hat die gelernte Lehrerin das Projekt mit vier Freundinnen zusammen gegründet. Lediglich Sabine Gerhardt verließ die Stadt, die anderen - Annegret Brake, Tine Staudenmaier und Uta-Maria Lahr - sind bis heute dem Betrieb verbunden und begeistern zum Beispiel zusammen als "Sunshine Doreen Starlets" regelmäßig dort das Publikum. Als die fünf Frauen als Lehrerinnen ohne Job die PH Lörrach verließen, war klar, dass sie aus dem kreativen Potenzial, das ihnen diese "besondere" Hochschule mitgegeben hatte, etwas machen wollten. Mit viel Schwung und Unbefangenheit entwarfen sie ein Konzept, das sie der Stadt präsentierten - und fanden quer durch die Fraktionen Unterstützer in der Kommunalpolitik.

Dass das Jugendzentrum auf dem Flachsländer Hof-Areal praktisch leer stand, kam der Sache entgegen, mehr noch, dass dem Quintett nichts ferner lag als Bedenkenträgerei. Mit viel Lust und Engagement setzten die fünf Frauen, flankiert vom 1985 gegründeten Verein Nichtsdestotrotz und einem pinselschwingenden Sympathisantenkreis, das "Nellie Nashorn" , das erst etwas später so getauft wurde, aufs Gleis. Nicht alles, was damals im Konzept notiert war, hatte Bestand - das umfangreiche Kursangebot etwa ließ sich nicht umsetzen. Sie selbst habe damals einen Kurs angeboten mit dem Titel "Töpfe, Stimmen, Schläuche" , aus dem selbst gebaute Musikinstrumente hervorgehen sollten, erinnert sich Anette Eckstein. Dass sie gar nicht basteln kann, fand sie damals nicht so gravierend. Zum Glück kam der Kurs nicht zu Stande, schmunzelt sie. Anderes aber funktionierte blendend: Das Nellie Nashorn wurde wie geplant zu einem Ort, an dem Kultur mit Niveau nicht nur konsumiert, sondern auch produziert wird.

Dass sich das "Nellie" von der handgestrickten kulturellen Spielwiese, in dem die Belege in einem Karton gesammelt wurden und die "Managerin" selbst putzte und bediente, in einen professionell geführten Kulturbetrieb von einigem Ansehen entwickelt hat, ist maßgeblich Anette Ecksteins Verdienst. Jetzt hört sie auf. 20 Jahre sind genug, sagt sie, mit 47 Jahren sucht sie noch einmal eine neue Herausforderung. Der Schuldienst reizt - schließlich hat Anette Eckstein den Beruf der Grund- und Hauptschullehrerin gelernt. Eine Grundausbildung als Musiktherapeutin hat sie absolviert und jede Menge Erfahrung gesammelt, wie man Kreativität anregt und umsetzt. Wer Anette Eckstein als Teil der Sunshine Doreen Starlets oder als Schauspielerin im Ensemble Gut & Edel kennt, kann sich vorstellen, dass ihren künftigen Schülern etwas blüht - im besten Sinne des Wortes.

Als "Sunshine" -Mitglied und als Schauspielerin in Vaclav Spirits Truppe bleibt Anette Eckstein dem Lörracher Kulturbetrieb erhalten, und auch "Lörrach singt" wird sie zusammen mit Fraua Kruse-Zaiß und in enger Anbindung ans Nellie Nashorn weiter organisieren. Auch beratendes Mitglied des Burghof-Aufsichtsrats bleibt sie. Im übrigen aber will sie erst mal "ordentlich in den Hintergrund treten" , um Neuem Raum zu geben. Sie ist überzeugt, dass der Wechsel nicht nur für sie, sondern auch für die Einrichtung der richtige Schritt ist, die sie mit anderen und mit viel Herzblut geschaffen und entwickelt hat. Darum lässt sie ihr Kind jetzt ziehen.

 

Kommentar


Ende der Ära Eckstein

„Nellie" geleitet und gelebt

Arbeitslosigkeit ist ein schlimmes Schicksal - in glücklichen Fällen aber entsteht etwas daraus. Das Nellie Nashorn gäbe es nicht, wenn seine Gründe­rinnen vor 20 Jahren nahtlos in den Schuldienst übernommen worden wären. Weil sie aber auf der Straße saßen und fanden, aus der gewonnenen Zeit, der frei schwebenden Energie und den überbordenden Ideen müsste sich etwas stricken lassen, gründeten sie ein Kulturzentrum. Ein paar glückliche Umstände kamen dem Projekt entgegen. Ohne Fürsprecher in und bei der Stadt, die sich anstecken ließen, vor allem aber ohne die fröhliche Naivität des Gründerinnenquintetts, das sich zunächst wenig um Kalkulationen und Kostenrechnungen scherte, wäre das Zentrum wohl nie entstanden - und ohne die Persönlichkeit, das Engagement und das künstlerische Gespür von Anette Eckstein hätte es vielleicht nicht überlebt. Lörrach wäre um einen riesengroßen bunten Klecks im Kulturbetrieb ärmer.

Anette Eckstein holte, unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitstreitern, die richtigen Leute ins Boot, pochte auf Qualität, ließ Raum, wo etwas entstehen wollte, was zum Charakter des Ortes passte, hielt die Balance aus Verspielt­heit und Seriosität. Die Leiterin war (und bleibt) als Sängerin, Schauspielerin, Kabarettistin Teil der „Eigengewächse" und hat so das „Nellie"-Konzept verkörpert: Kultur, die man selber macht, macht mindestens so viel Spaß wie die, die andere zeigen. Anette Eckstein begleitete das Nellie Nashorn auf einem langen Weg, der oft steinig war, im Ganzen aber lustvoll. Der Dickhäu­ter, der im September 20 Jahre alt wird, ist erwachsen - Zeit für einen neuen Ab­schnitt, findet die „Macherin". Es muss und wird ohne sie gehen. Aber leicht fällt der Abschied nicht. Nicht ihr. Und nicht denen, die mit ihr diesen Weg gegangen sind.       

Sabine Ehrentreich

vom Freitag, 7. Juli 2006 

Von der Szenekultur zur Kulturszene

Im Lörracher Nellie Nashorn endet mit dem Ausscheiden von Anette Eckstein eine Ära, die vor 20 Jahren alternativ begonnen hat

Alternativkultur? Vor 20 Jahren hatte der Begriff noch Leuchtturm-Charakter. Heute aber vermeidet Anette Eckstein ihn nach Möglichkeit. "Das Wort ist zum Klischee geworden" , begründet die scheidende Geschäftsführerin des Kulturzentrum Nellie Nashorn in Lörrach. Ende der 1970er-, Anfang der 80er-Jahre stand "das Alternative" dagegen noch für klare Botschaften. Aufklärerische Impulse, emanzipatorische Ansprüche und das Bedürfnis, das eigene Leben aktiv zu gestalten: All das kulminierte in der Alternativkultur, und deren Protagonisten kämpften zum Beispiel gegen verödende Innenstädte, gegen die Tyrannei der Sachzwänge, gegen einen aufs "Schöne" und "Wahre" beschränkten Kulturbegriff. Gegenkultur war denn auch einer der Leitbegriffe und die soziokulturellen Zentren deren Kristallisationspunkte.

Dieser Geist beseelte auch das Nellie Nashorn. "Das Projekt lag in der Luft" , erinnert Anette Eckstein. Allerdings war das Lörracher Zentrum, das wie fast 85 Prozent der soziokulturellen Zentren die Rechtsform des eingetragenen Vereins erhalten hat, in einzelnen Punkten auch untypisch. So war es nicht nur ein "Nachzügler" , wie Anette Eckstein sagt; vielmehr sei auch die Gegenkultur, das "Dagegen-Arbeiten" nie der zentrale Baustein des Selbstverständnis´ gewesen. Im Gegenteil: Von Beginn habe das Gründerinnen-Quintett, übrigens alle aus dem studentischen Milieu der PH, ohne das - diese These sei hier gewagt - das "Nellie" hier nie entstanden wäre, auch den Dialog mit der CDU-Gemeinderatsfraktion gesucht. Und so war es denn schließlich auch eine große Koalition aus CDU/SPD, die dem Nellie Nashorn mit einem interfraktionellen Antrag den Weg ebnete.

In "unsäglichen Räumen" – der heutige Veranstaltungsraum war Kneipe, Bühne und Büro in einem - mit Hilfe des damals üblichen "Geldsegens" vom Arbeitsamt (ABM), einem hohen Maß an Selbstausbeutung und basisdemokratischen Ansprüchen (einstimmige Entscheidungen) entwickelte sich der Keim weiter - und veränderte sich. Denn so wie Räume nach und nach optimiert wurden bis hin zum 2003 eingeweihten Foyer als Schlusspunkt, wurden die Strukturen professionalisiert und die finanziellen Grundlagen auf ein vergleichsweise festes Fundament kommunaler Zuschüsse gestellt.

20 Jahre nach dem Start hat der Wind aber wieder gedreht. Die hauptamtliche Beschäftigung in soziokulturellen Zentren geht zurück, Besucherzahlen sinken, die öffentliche Förderung wird gekürzt: Diese Entwicklungen stellte die Bundesvereinigung soziokultureller Zentren bereits `04 in einer Umfrage fest. Klar ist, soziokulturelle Zentren sind in der Defensive. Es gibt zwar lokale Nuancen, das Nellie Nashorn etwa verzeichnet steigende Besucherzahlen. Der finanzielle Druck, zermürbende Diskussionen um Subventionen aber sind allgegenwärtig. Auch das "Nellie" muss seit diesem Jahr mit einem um zehn Prozent gekürzten kommunalen Zuschuss von noch 81 000 Euro leben.

Neben der finanzielle Erosion macht sich aber vor allem eine Diffusion der Inhalte bemerkbar. Das alternative Profil der Gründerjahre hat sich verflüchtigt, die Grenzen zwischen etablierter und alternativer Kultur sind verschwommen. Der Kulturbetrieb hat das "Alternative" längst eingemeindet und die frühere Nischenkultur ist häufig zum Mainstream avanciert. Helge Schneider oder Mathias Richling, einst in der alternativen Szene beheimatet, haben es gar zu TV-tauglichen Galionsfiguren gebracht - und sie sind nicht die einzigen. Auch das "Nellie" bot nach der Eröffnung zunächst die Plattform für Auftritte von Dieter Nuhr, Georg Schramm oder den Acapickels in Lörrach; inzwischen treten diese im Burghof auf. Andererseits aber ist es dem "Nellie" in der Ära Eckstein auch gelungen, sich aus dem alternativen Eck herauszuarbeiten und im Bereich Kabarett oder Gesang ein Angebot zu schaffen, das nahezu in allen Schichten und Generationen nachgefragt wird. Aus der Szenekultur ist so ein Stück Kulturszene geworden.

Die Frage, welche Rolle soziokulturellen Zentren als Kulturveranstalter jenseits der Basisarbeit im Jugend- oder Amateurbereich innerhalb des subventionierten Kulturbetriebs heute übernehmen können, steht dennoch im Raum. Als Transmissionsriemen eines Lebensgefühls und Orte, an denen sich eine Gruppe ihrer selbst vergewissert, haben sie sich jedenfalls überholt. Als Sprungbrett nachwachsender Talente aber sind sie auch heute noch so geeignet wie vor 20 Jahren. Der im Nellie Nashorn "groß" gewordene Kabarettist Florian Schroeder ist ein Beispiel dieser Talentförderung. Aber auch als gesellschaftliche Drehscheibe haben soziokulturellen Zentren gewiss nicht ausgedient. Im Gegenteil: Interkulturelle Arbeit, Dialoge der Kulturen, der Generationen, sozialer Schichten . . . Ansatzpunkte gibt es genug. Doch noch ist nicht entschieden, ob diese Form der Kulturarbeit mehr ist als das Projekt einer Generation. Die Entwicklung des Nellie Nashorn in der Nach-Eckstein-Ära wird da zur Nagelprobe werden.

Michael Baas
 

vom Freitag, 12. Mai 2006

Ein Ort mit viel Atmosphäre

Positive Bilanz bei “Nichtsdestotrotz” / Förderverein vor Gründung / Geburtstagsfest im Herbst

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Trotz eines gekürzten Budgets zog der Trägerverein des Nellie Nashorn, “Nichtsdestotrotz” , in seiner Jahreshauptversammlung eine positive Bilanz für 2005. In diesem Jahr besteht das Kulturcafé bereits zwanzig Jahre, was im Herbst mit einem fünftägigen Geburtstagsfest in einem Bambuszelt gefeiert werden soll.

140 gut besuchte Veranstaltungen in den Bereichen Kabarett, Theater, Musik und Kinderkultur, sowie Vorträge, Diskussionen und Lesungen gab es im vergangenen Jahr im Nellie Nashorn. Insgesamt sei das Programm sehr gut aufgenommen worden, berichtete Schriftführerin Ingrid Weinmann. Wenn man Gagen und Eintritte verrechne, bliebe ein gigantisches Plus von 11500 Euro. Als Höhepunkte nannte sie die Projekte “Hundert lebendige Weisen” im Grüttpark mit 250 mitwirkenden Kindern und 1500 angemeldeten Zuschauern, die Ko-Produktion mit dem Kulturbürö Riehen und dem Kulturamt Weil am Rhein bei “Kultur am Schlipf” mit einer KrimiTour, inszeniert von Karin Maßen mit Schauspielern von Tempus fugit, sowie die Organisation von “Lörrach singt” im Rahmen von Stimmen 2005.

Für den Bereich Gastronomie berichtete Eva Maier, dass der Abendbetrieb wetterbedingt etwas schlechter lief als im Vorjahr. Neu habe man das “Grillen im Hof” eingeführt. Weil das so gut ankam, wird es heuer beibehalten. Zur Fußball-WM sollen außerdem im Veranstaltungsraum ein paar Spiele per Beamer gezeigt werden. Wer nichts damit am Hut hat, kann draußen unbehelligt sitzen.

Die Frage kam auf, wie man dem Irrtum vieler begegnen könne, beim Nellie Nashorn handele es sich um eine Art Jugendzentrum. Langsam spreche sich aber herum, dass die Räume dort eine tolle Atmosphäre für Feiern jeder Art haben — und zwar für Jung und Alt.

Die kreativen Gruppen des Hauses (Theater Gut & Edel, Jazzchor Flat & Co, Sunshine Doreen Starlets, Kinder — und Jugendtheater sowie Tempus fugit) waren 2005 ebenfalls sehr erfolgreich. Angedacht ist hier eine stärkere “Verbrüderung” zwischen diesen Gruppen.

Der Kassenbericht von Anette Eckstein zeigte, dass im Jahr eins nach der zehnprozentigen Kürzung die Finanzkalkulationen mehr oder weniger aufgingen. Es sei aber überhaupt kein Spielraum mehr da, um zum Beispiel Rücklagen zu bilden. Das Geld beschäftigt den Verein auch im Hinblick auf den neuen Versuch der Stadt, jährlich drei Millionen Euro einzusparen, immer mehr. “Wir werden uns in Zukunft warm anziehen müssen” , warnte Sitzungsleiter Gerd Wernthaler. Geld und eine Lobby gleichermaßen soll ein Förderverein dem Nellie Nashorn bringen, der laut Angaben von Ingrid Weinmann kurz vor der Gründung steht. Sie wird im Juli Nachfolgerin von Anette Eckstein als Geschäftsführerin.

 

vom Freitag, 24. Juni 2005

Ort ungeheurer Kreativität  

Verein „Nichtsdestotrotz“ kämpft mit guten Ideen gegen die Finanzierungslücke im Jahr 2005

Von unserer Mitarbeiterin Regine Ounas-Kräusel

LÖRRACH. Der Verein „Nichtsdestotrotz“ sucht nach neuen Finanzquellen fürs Kulturzentrum „Nellie Nashorn“. 2004 waren Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, für 2005 klafft eine Finanzierungslücke von 7000 Euro. Die Stadt hält ihre Zuschüsse zwar für weitere drei Jahre konstant, verlangt aber eine höhere Gebäudemiete. Dies berichtete Geschäftsführerin Anette Eckstein bei der Hauptversammlung.

Zum Nellie Nashorn gehören das Café mit Garten und vegetarischem Mittagstisch und der Kulturbetrieb. Dort fanden im Jahr 2004 rund 150 Veranstaltungen statt: Kabarett- und Theateraufführungen, Kinderfilme, der Poetentreff „Klappe auf“ und vieles mehr. Fünf teils mehrgliedrige Gruppen probten im Haus: das Kindertheater und Junge Theater Nellie Nashorn mit Regisseurin Birgit Vaith, dem unterdessen 40 Nachwuchsspieler angehören; das Jugendtheater „Tempus fugit“ mit Regisseurin Karin Maßen und bis zu zehn parallel agierenden Gruppen, das Ensemble „Gut und Edel“ mit Regissuer Vaclav Spirit, der Jazzchor Flat & Co mit Leiterin Annegret Brake und das Musikkabarett „The Sunshine Doreen Starlets“. Außerdem war das Nellie Nashorn Mitveranstalter der Internationalen Theatertage, des Kindertheatertreffens und des Chorfestes „Lörrach singt“. Die Kindertheatertage, die gerade wieder über die Bühne gingen, hätten immer mehr Zulauf, freute sich Ingrid Weinmann-Zöllin: rund 2200 Kinder schauten zu.

In Café und Kulturbetrieb setzte der Verein 2004 jeweils gut 200 000 Euro um. Im Café waren Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Der Kulturbetrieb schloss mit einem Defizit von wenigen hundert Euro ab. Dennoch warnte Anette Eckstein: „Unsere Finanzlage ist noch lange nicht rosig.“ Sie lasse keinen Spielraum für Unvorhergesehenes. Außerdem müssten in den kommenden Jahren Geräte im zehn Jahre alten Veranstaltungsraum repariert oder ersetzt werden. Die Gehälter der sechs angestellten Frauen seien seit Jahren nicht erhöht worden.

Neben den Eintrittsgeldern bilden die Zuschüsse die größte Einnahmequelle des Kulturbetriebs. 2004 erhielt das Kulturzentrum 134 000 Euro, 92 000 Euro zahlte die Stadt. Im Rahmen ihres Sparkurses habe die Stadt auch hier den Zuschuss kürzen wollen, berichtete Eckstein. Doch man fand einen Kompromiss: Die Zuschüsse laufen bis 2007 weiter wie bisher, dafür erhöht die Stadt die Gebäudemiete. Dies sei angemessen, da 2003 das Foyer gebaut wurde. Das Ergebnis: eine Finanzierungslücke von 7000 Euro für 2005. Doch im Verein lässt man sich nicht entmutigen: 4500 Euro spielten die „Hausmarken“ bei der Benefizwoche ein. Ein privater Sponsor möchte den Restbetrag dazu legen. Außerdem brachte Ingrid Weinmann-Zöllin die Gründung eines Fördervereins ins Gespräch.

Mitglieder: 45

Wahlen: Annegret Brake (Vorsitzende), Gundel Maier (Vize), Yvonne Schneider (Kasse), Ingrid Weinmann-Zöllin (Schriftführerin). Kontakt: 166101
 

 vom Samstag, 2. Oktober 2004 

Defizit und Sparzwang 

Verein Nichtsdestotrotz schließt 2003 mit 20 000 Euro im Minus ab / Vielfältige Arbeit im Nellie 

Von unserer Redakteurin Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Ein Defizit von 20 000 Euro hat der Verein Nichtsdestotrotz, der das Kulturcafé Nellie Nashorn trägt, aus dem Jahr 2003 ins laufende Jahr mitgenommen - das hat es in der Vereinsgeschichte noch nicht gegeben. Zustande kam das Minus, wie Anette Eckstein als Leiterin des Kulturcafés bei der Hauptversammlung erläuterte, durch besondere Belastungen.

Darunter wurden die Renovierung des Cafés oder die Ausstattung des neuen Foyers genannt, aber auch das Ausbleiben des Landeszuschusses zum Internationalen Theatertreff . Der wurde nicht gezahlt, weil die Zusage der Stadt Lörrach zu spät gekommen war.

Das Defizit, so meinte Anette Eckstein, könne im laufenden Jahr hoffentlich ausgeglichen werden, weil man sich strenge Ausgabendisziplin auferlegte. Mehr Sorge bereitet die Zeit von 2005 an. Dann nämlich muss auch der Verein Nichtsdestotrotz jene zehn Prozent Kürzung verschmerzen, die die Stadt Lörrach überall verordnet hat - das sind 9000 Euro.

Kürzung nicht durch Einsparung aufzufangen  

Einsparen könne man diese Summe in keinem Fall, betonte Anette Eckstein, ohnehin werde schon ungeheuer viel Arbeit rund ums Nellie Nashorn ehrenamtlich oder halb-ehrenamtlich geleistet. Also gebe es nur den Weg, die Summe einzuspielen.

Neben der (begrenzten) Möglichkeit, bei den Vermietungen Mehreinnahmen zu erzielen, wurde bei der Hauptversammlung von Nichtsdestotrotz vor allem die Idee eines Freundeskreises für das Nellie diskutiert, der Lobbyarbeit leisten und Mittel beitragen könnte. Eine Arbeitsgruppe soll sich jetzt mit dem Thema befassen.

Wie viel so übers Jahr im Kulturcafé Nellie Nashorn läuft, machte einmal mehr der Jahresbericht deutlich, den Ingrid Weinmann-Zöllin vorstellte. Im Jahr 2003 gab es 140 Veranstaltungen mit den Schwerpunkten Theater, Kabarett, Comedy und Musik, dazu regelmäßig Kinderveranstaltungen, Discos, Vorträge, Frauenflohmärkte, das philosophische Café Thomas, die Jazzsession Play, die offene Bühne Klappe auf und vieles mehr. Dazu kamen besondere Herausforderungen wie die Eröffnung des Foyers, das Kindertheatertreffen "hundert lebendige Weisen", das Chorfestival "Lörrach singt" im Rahmen des Stimmenfestivals, die Beteiligung an "Kultur am Schlipf" oder der Internationale Theatertreff .

Was an Eigenproduktionen rund ums Nellie Nashorn entstand, erläuterten Birgit Vaith für die beiden Kindertheater und das Junge Theater Nellie Nashorn, David Voges für Tempus Fugit, Vaclav Spirit für Gut & Edel, Annegret Brake für den Jazzchor und Anette Eckstein für das Musikkabarett "Sunshine Doreen Starlets".

Abstimmung von Nellie und Altem Wasserwerk

Kontinuierlich liefen das Café und der vegetarische Mittagstisch, trafen sich insgesamt 35 Gruppen in den Räumen der "Villa" auf dem Gelände des soziokulturellen Zentrum Flachsländer Hof - eine stolze Bilanz. Der Umsatz im Café ging im Jahre 2003 um 7000 Euro zurück, eine Entwicklung, die man genau beobachten werde, sagte Anette Eckstein.

Im Gespräch sei man mit den Verantwortlichen für das nicht weit entfernte Alte Wasserwerk, damit man sich nicht ins Gehege komme. Grundsätzlich begrüße man das neue Jugendzentrum in der Nachbarschaft sehr und suche auch die Kooperation, betonte Anette Eckstein.
 

vom 1.10.2004

"Nichtsdestotrotz" zieht Bilanz: 140 Veranstaltungen

Defizit von 20000 Euro

Lörrach (zet). 2 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, ein Defizit von rund 20 000 Euro und ein enormes Angebot an kulturellen Veranstaltungen sowie Kinder- und Jugendaktivitäten, so fällt in groben Zügen der Abschluss des Kulturvereins "Nichtsdestotrotz" für das Jahr 2003 aus. Für die Mitglieder ist es trotz aller Sparzwänge eine überwiegend positive Bilanz. Das Minus wurde bewusst in Kauf genommen, erklärte Geschäftsführerin Anette Eckstein bei der Hauptversammlung am Mittwoch.

Unter anderem haben Renovierungsarbeiten, die Eröffnung des Foyers, die Errichtung des Obelisken im Hof, aber auch Zuschussausfälle zu dem Fehlbetrag geführt, der jetzt mit einem Sparkurs ausgeglichen werden soll.

Etwas besser gestellt ist der inzwischen selbstständige Theaterjugendverein "Tempus Fugit". Dank Fördergeldern des Wirtschaftsministeriums aus dem Projekt "Nur Mut" konnte die umtriebige professionalisierte Gruppe beachtlich expandieren. Allerdings läuft die Förderung bald aus: "Wie es dann weitergeht, wissen wir noch nicht", sagte David Voges, der bei der Versammlung die Leiterin Karin Maßen vertrat.

Beachtliche Aktivitäten haben auch die anderen kreativen Gruppen des Vereins gezeigt. Das Kinder- bzw. Jugendtheater am Nellie Nashorn unter der Leitung von Birgit Vaith besteht inzwischen aus drei Ensembles. Zuschüsse von der Stadt erhält das Kindertheater nicht.

Auch Annegret Brake, erste Vorsitzende von "Nichtsdestotrotz", und Leiterin unter anderem des Kinder- und des Jazzchors, ließ in ihrem Rückblick die Auftritte und Proben Revue passieren.

Die Theatergruppe Gut & Edel unter der Regie von Vaclav Spirit hatte 25 Auftritte, davon 15 bei Festivals. Sowohl Gut und Edel, als auch die Freie Gruppe von Tempus Fugit und das Jugendtheater am Nellie Nashorn werden im November beim Theaterfestival in Göppingen teilnehmen.

Kurz fiel das Resümee von Anette Eckstein zum Jahr der Sunshine Doreen Starlets aus: "Ein paar neue Lieder, ein paar Auftritte und wir ernteten Begeisterung."

Ein Veranstaltungshöhepunkt 2005 soll eine Krimitour gemeinsam mit Kulturveranstaltern aus Weil und Riehen werden, die in alle drei Orte führt.
 
Samstag, 29. November 2003 

Perspektiven für die Zukunft düster 

Kulturverein Nichtsdestotrotz "Arbeit macht noch immer viel Spaß / Vergangenes Jahr 140 Veranstaltungen im Nellie Nashorn

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Jedes Jahr bei der Hauptversammlung werden sie zusammengetragen, die vielen Aktivitäten, die unter dem Dach des Kulturvereins Nichtsdestotrotz und da ganz überwiegend im Soziokulturellen Zentrum Nellie Nashorn laufen. Jetzt wurde die Bilanz für das Jahr 2002 vorgelegt.

Ingrid Weinmann-Zöllin, die zusammen mit der Leiterin Anette Eckstein für die Programmorganisation zuständig ist, lieferte den Jahresbericht ab. 140 Veranstaltungen gab es 2002, das waren mehr als je zuvor. 50 Prozent waren Gastspiele von Profis unterschiedlicher Sparten, die Schwerpunkte lagen hier wie gewohnt auf Kabarett und Musik, für Kinder bei der Sparte Theater. Neben unbekannteren Künstlern, die laut Anette Eckstein bewusst im Programm gehalten werden, obwohl dies ein höheres Risiko birgt, traten auch etliche "Promis" und Kleinkunst-Preisträger auf. 20 Prozent bestritten die "Eigengewächse", die zum Haus gehören oder ihm per Kooperation nahe stehen. Dies sind neben dem Jazz-Chor Flat & Co von Annegret Brake, die inzwischen drei Theatergruppen für Kinder und jüngere Jugendliche von Birgit Vaith, das Erwachsenentheater Gut & Edel von Vaclav Spirit und das Frauen-Musikkabarett The Sunshine Doreen Starlets. Unter dem Dach von Tempus Fugit sind sechs Jugendtheater-Ensembles unter der Leitung von Karin Maßen versammelt. Für den Internationalen Theatertreff, das Kindertheatertreffen im Weidenpalast, das Chortreffen "Lörrach singt" oder "Kultur am Schlipf" kooperierte das Soziokulturelle Zentrum mit dem Burghof, dem SAK oder den Kulturämtern Weil und Riehen.

Finanziell kam der Verein 2002 gut hin. Einnahmen von 215 500 Euro standen Ausgaben von etwa 213 500 Euro gegenüber, ein Plus von rund 2000 Euro spricht für eine gute Kalkulation. Auch der gastronomische Bereich kam finanziell auf eine Punktlandung. 2002 war auch das Jahr, in dem endlich der Bau des lang ersehnten Foyers begonnen wurde - eine anstrengende Zeit mit einem, wie Anette Eckstein betonte, wunderbaren Ergebnis. Weniger beglückend sind die Perspektiven für die Zukunft. Die Zuschüsse vom Landesverband werden erneut um zehn Prozent gekürzt, der Zuschuss von der Stadt ist bis Ende 2004 zugesichert. Noch habe niemand gesagt, dass gekürzt werde, so Anette Eckstein, aber früher oder später müsse man wohl damit rechnen. Da der Betrieb schon jetzt nur funktioniere, weil jährlich deutlich über 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet werden, werde es bei weiteren Kürzungen "schlimm". Vorläufig freilich gelte die Devise: "Einfach weiter arbeiten" - denn das mache immer noch sehr viel Spaß. Keinerlei Probleme machte die Wahl des neuen Vorstands. Er ist nämlich einfach der alte. Annegret Brake bleibt Vorsitzende, Gundel Maier ihre Stellvertreterin, Yvonne Schneider ist weiter für die Kasse zuständig und Anette Eckstein fürs Protokoll.
 

im Herbst 2002

Vielfältige Arbeit im Nellie Nashorn

Trägerverein blickt auf erfolgreiche Arbeit zurück / Soziokulturelles Zentrum lobt Kooperation mit der Stadt

LÖRRACH (wik). Der Trägerverein des Nellie Nashorn, Nichtsdestotrotz, zog in seiner Jahresversammlung trotz enger werdender Budgets eine positive Bilanz. Das seit 16 Jahren bestehende Kulturcafé hat sich nicht nur als Kneipe und Veranstaltungsort bewährt, es ist ein Ort, an dem kulturelle Aktivitäten entwickelt werden. Noch in diesem Jahr soll der Neubau, die Erweiterung des Veranstaltungsraumes, bezugsfertig sein.

Mit dem neuen Foyer wird der Veranstaltungsraum vergrößert. Er erhält eine Bar und ein behindertengerechtes WC. Damit steigt die Qualität der Räume für die Veranstaltungen, ein Rekord von 115 waren es im vergangenen Jahr. Neben dem Poetentreff "Klappe auf", der Jazzsession, den Discos, Kindertheatern und Kinderfilmen gibt es die traditionellen Darbietungen im Kleinkunstbereichmit den Schwerpunkten Kabarett, Comedy, Chanson und Theater. Höhepunkte des Jahres waren die internationalen Amateurtheatertage und die Einweihung, des Grünpalastes im Grütt, bei dem das Nellie Nashorn das kulturelle Programm gestaltete.

Die kreativen Gruppen des Hauses waren ebenfalls sehr erfolgreich. Der Jazz-Chor unter der Leitung von Annegret Brake trat im Burghof und bei "Lörrach singt" auf. Ein weiterer Höhepunkt soll der gemeinsame Auftritt mit der Stadtmusik Lörrach im Burghof am 19. Oktober sein.

Im Kindertheater spielen Kinder zwischen zehn und 13 Jahren mit, in einer neuen Gruppe die Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen. Im Jugendtheater sind Jugendliche ab 15 Jahren. Für Kinder und Jugendliche in diesem Alter gibt es allgemein wenig Angebote, deshalb spielen das Kinder- und das Jugendtheater des Nellie Nashorn eine wichtige Rolle. Das Kindertheater erhält keine Zuschüsse, wie Leiterin Birgit Vaith sagt. Sehr groß sei aber das Engagement der Eltern, die teilweise selbst bei der Materialgestaltung helfen.

Im Jugendtheater spielen 70 Jugendliche, 40 von ihnen regelmäßig. Im Jahr 2001 spielte das Jugendtheater das "Hotel New Hampshire" und "Früchte des Zorns", beide Stücke wurden mit Live-Musik gestaltet. In diesem Jahr wurden ebenfalls zwei Produktionen einstudiert. Karin Maßen, Leiterin des Jugendtheaters, lobte die hohe Motivation der Spieler. Weil sie gemeinsam auf Tournee gehen wollen, plant das Ensemble eine sechswöchige Tournee im kommenden Jahr mit Städten wie München, Hamburg, Berlin, Singen und Ahlen. Die Gruppen des Jugendtheaters sind nun im Verein Tempus Fugit zusammengefasst, der in Kooperation mit dem Verein Nichtsdestotrotz steht.

Vaclav Spirit vom Theater "Gut & Edel" lobte das Nellie Nashorn für seine Kulturförderung. "Seit 1989 stehen uns die Probe- und Aufführungsräume umsonst zur Verfügung, ohne dieses Entgegenkommen wäre unser Erfolg nicht möglich gewesen", so Spirit. Der Name Nellie Nashorn sei in der Amateur- und Freien Theaterlandschaft Deutschlands ein Begriff. Beide Inszenierungen des Ensembles, Marat/Sade und "Die Frau im Sand", bekamen bei Gastspielen und Festivals ausgezeichnete Kritiken.

Der Umsatz der Kneipe konnte im letzten Jahr um 20000 Mark gesteigert werden. Dagegen stagnieren die Zuschüsse von Stadt und Land. Hauptsponsor ist die Sparkasse. Zufrieden zeigt sich der Vorstand mit der Kooperation mit der Stadt Lörrach. Das Rechnungsprüfungsamt habe kostenlos die Bücher des Vereins geprüft und deren gute Führung gelobt.

im Herbst 2002

Nellie Nashorn: Spiegel eines facettenreichen Kulturlebens

Das Foyer des Nellie kann wahrscheinlich im Dezember bezogen werden

Lörrach (geb). Ein spannendes Jahr liegt hinter dem: Verein "Nichtsdestotrotz", noch spannender wird das kommende werden. Nach zähen Verhandlungen und geduldigem Warten steht fest, dass der Rohbau des Foyers, mit dessen Erstellung im August begonnen wurde, im Dezember dieses Jahres oder im Januar 2003 bezugsfertig sein wird.

Im Mai dieses Jahres hatte das Landesgericht den Rechtsstreit beigelegt, der lange zwischen dem Gebäude des Nellie Nashorn und Anwohnern schwelte. Durch das Foyer mit Vordach wird der von Besuchern nutzbare Raum vergrößert. Die Zusammenarbeit mit der Stadt laufe nun sehr gut, "ein langes Leid geht zu Ende", so Veranstaltungsleiterin Ingrid Weinmann-Zöllin.

16 Jahre Bestehen kann der Verein "Nichtsdestotrotz" mit dem Nellie Nashorn feiern, eine kulturelle Institution, die innerhalb der letzten Jahre neben Gastronomieangebot immer mehr zum Tagungs-, Kultur- und Veranstaltungsort avanciert und verschiedenste Gruppen unter einem Dach beherbergt und miteinander vernetzt. Pro Wochenende finden durchschnittlich drei Veranstaltungen im Hause statt, das Jahr über waren es abzüglich der Sommerpause 115. Täglich voll ausgelastet sind mit insgesamt drei Gruppen sämtliche Tagungsräume. Immer mehr feiern gern im Nellie, ob Hochzeit, Taufe oder Geburtstag.

Zum internen Programmangebot zählen Poetentreff, Jazzsession, Kinderkino und Kindertheater sowie Kabarett und Comedy. Darüber hinaus profiliert sich das Team um Anette Eckstein mit der Organisation von hauseigenen Festivals und kooperiert auch mit anderen Institutionen, etwa dem Burghof.

Die Teilnahme am Liederfest 2001 wertet Weinmann-Zöllin als "Riesenerfolg", gleiches gelte für die Teilnahme an der "Leselust". Sehr gut bei Schulen angekommen ist das Kindertheatertreffen im Grütt. Es soll wiederholt werden. Drei hauseigene Theatertruppen feierten im Jahr 01 Premiere: Zwei Produktionen des Jugendtheaters und eine von Gut & Edel. Zum fünften Mal in Folge war man mit der Organisation der Amateurtage betraut, mit dem Ergebnis, dass das Nellie Nashorn auch mit der Qualität der Betreuung von Schauspieltruppen sich deutschlandweit einen guten Ruf sichert.

Gute Erfahrung mit Kooperationen hat auch der Jazzchor unter der Leitung von Annegret Brake gemacht. Zum einen gab es eine Zusammenarbeit mit dem Männerchor Brombach, zum anderen einen Auftritt mit anderen Chören im Haus der Volksbildung in Weil. Trotz spärlicher Zuschusslage lässt sich Birgit Vaith mit dem Kindertheater nicht unterkriegen. "Igraine Ohnefurcht" oder "In einem tiefen dunklen Wald" hatten mit 14 jungen Schauspieler sechs Auftritte.

Sehr gut besucht waren auch Theaterdarstellungen des "Jugendtheaters" im Jahr 2001. Mit "New Hampshire" und "Früchte des Zorns", so Karin Maßen von "tempus fugit", der aus Jugendfördergründen als eigener Verein von "Nichtsdestotrotz" getrennt läuft, aber im Nellie probt. Ein Stamm von 40 bis 70 jungen Leuten bestreitet alles selbstständig: Regie, Sponsoring, Presse, Organisation. Von Januar bis Juli hat es in diesem Jahr vier Festivals mit vier Produktionen bestückt und bereitet derzeit eine Tournee vor, auf dessen Spielplan die Städte München, Hamburg oder Köln stehen.

Das Theaterensemble Gut & Edel unter der Leitung von Vaclav Spirit war im letzten Jahr ebenfalls überaus aktiv. Elf Mal gab man "Marat/Sade", acht Mal "Die Frau im Sand" zum Besten und trat beim Festival Europäischer Kulturen in Paderborn auf. Am 7. Februar 03 wird "Der Prozess Kafka" Premiere im Nellie feiern, im August ist man zum Internationalen Festival nach Tschechien eingeladen.

Als wichtige Sponsoren galten auch im letzten Jahr die Sparkasse, Gaba oder etwa Badenova.

7. Dezember 2001

Kommt tiefer Einschnitt?

Anette Eckstein: Zuschusskürzung würde Struktur und Programm des Nellie Nashorn gefährden

LÖRRACH (gra). "Das wäre keine Schönheitsoperation, sondern ein tiefer Einschnitt". So kommentierte Anette Eckstein vom Kulturzentrum Nellie Nashorn gestern auf Anfrage die vorgesehene Kürzung des städtischen Zuschusses um zehn Prozent.

Wie berichtet schlägt der Finanz- und Verwaltungsausschuss dem Gemeinderat vor, im Haushalt 2002 die Zuschüsse an Vereine um zehn Prozent zu kürzen. Ausgenommen sind soziale Einrichtungen sowie Vereine, bei denen ohnehin schon gekürzt wurde, beispielsweise Chöre und Musikvereine. Bei den Kulturtreibenden wird mit der Umstellung der Förderrichtlinien die Grundförderung zugunsten einer Projektförderung um zehn Prozent zurückgefahren. Die so frei werdenden 20'000 Mark fließen nun aber ins Sparvolumen und nicht in den Projektfördertopf. Trotzdem könnten Projekte im Einzelfall unterstützt werden, so Peter Kleinmagd, Leiter des Fachbereichs Finanzen bei der Stadt.

Für das Nellie Nashorn hätte eine zehnprozentige Zuschusskürzung zur Folge, dass es 2002 statt 160'000 Mark lediglich 144'000 Mark gibt. Da die Landeszuschüsse an die städtischen Mittel gekoppelt sind, geht die öffentliche Förderung voraussichtlich um weitere 8000 Mark zurück. Unterm Strich sind das 24'000 Mark oder 15 Prozent weniger als im laufenden Jahr. Damit wäre keine Planungssicherheit mehr gegeben, sagt Nellie-Geschäftsführerin Anette Eckstein. Der Zuschuss von 160'000 Mark sei eigentlich auf drei Jahre festgeschrieben worden. Gefährdet seien Projekte wie die Amateurtheatertage oder das Theaterprojekt zum Jubiläum "900 Jahre Lörrach". Auch die Struktur, das heißt die Ausstattung mit hauptamtlichen Kräften, sei in Frage gestellt.

Zudem käme die Kürzung für die Einrichtung, die für Kinder und Jugendliche auch Sozialarbeit leiste, zum ungünstigsten Zeitpunkt. Schließlich soll 2002 der Anbau des Foyers fertig gestellt werden. "Eine Baustelle bringt stets Umsatzeinbußen mit sich", erläutert Anette Eckstein. Das Nellie könnte bei einer Zuschusskürzung auch keine Rücklagen bilden, um die Ausstattung des Foyers zu finanzieren. Eckstein will daher vor der Verabschiedung des Haushaltes mit Fraktionsvertretern sprechen. Die Stadtverwaltung wird dem Gemeinderat eine Liste der betroffenen Vereine vorlegen. Auch für Peter Kleinmagd ist das Nellie "einer der heikelsten Punkte".

19. Mai 2001

Prachtstück, aber nicht jeder merkt's

Annegret Brake bleibt Vorsitzende des Nellie Trägervereins

Amateurtheatertage im Herbst

LÖRRACH (alb). "Das Nellie ist ein Prachtstück." Vaclav Spirit, Regisseur der Theatergruppe Gut & Edel, weiß, was er an dem soziokulturellen Zentrum in der Tumringer Straße hat. Das gilt aber nicht für jeden. Die Diskussionen um die Erhöhung der Zuschüsse Ende letzten Jahres liefern Gerd Wernthaler einen Beleg für diese These. Hier sei das "Nellie Nashorn" viel zu sehr auf die Funktion einer Kneipe reduziert worden, so der Stadtrat bei der Hauptversammlung des Trägervereins Nichtsdestotrotz. Deshalb gelte es, hier noch intensiver Aufklärungsarbeit zu leisten.

In der Konsequenz brachte die Diskussion fürs "Nellie" gleichwohl eine "deutliche Verbesserung", so Geschäftsführerin Anette Eckstein. Immerhin hat die Stadt den Zuschuss um 30'000 auf 160'000 Mark aufgestockt (beantragt waren 190'000 Mark). Dass das nötig war, beweist auch der Geschäftsbericht 2000, den die Loeba Treuhand geprüft hat. Zwar beschloss das "Nellie" das Jahr danach mit einem Plus von rund 24'000 Mark. Das indes kam nur zustande, weil Rechnungen ins Jahr 2001 verschoben, die Rücklagenbildung ausgesetzt wurde und die Stadt einen Sonderzuschuss von 15'000 Mark gewährte. "Die Stadt hat uns rausgehauen", sendete Anette Ecksein denn auch freundliche Töne gen Verwaltung. Relativierendes kam dagegen von Bernhard Höchst: Bei allem Lob gelte es nicht zu vergessen, dass die Stadt das Gesamtangebot an Dienstleistungen nirgendwo billiger bekäme. Das zeigt sich auch an der Subventionskurve: bei Nellie-Veranstaltungen gibt's pro Platz rund 6,50 Mark an Zuschüssen; öffentliche Theater kommen dagegen ohne weiteres auf Beträge von 100 Mark und auch der - vergleichsweise günstige Burghof - liegt deutlich höher. Angesichts der Ausgangslage kündigte Anette Eckstein denn auch an, dass für Gut & Edel oder das Kindertheater Projektzuschüsse beantragt werden, sobald die Chance bestehe. Auch die Jugendtheater suchen übrigens dringend Sponsoren, wie Karin Maßen kund tat.

Gerade diese Gruppen dokumentieren auch den Stellenwert des "Nellie" im soziokulturellen Leben: Von der Kindertheatergruppe um Birgit Vaith, über die Jugendtheatergruppen um Karin Maßen, die allein rund 70 Jugendliche ans Haus binden, zum Theater Gut & Edel, das sich zu einer "Visitenkarte" (Wernthaler) der Stadt entwickelt hat, dem Jazzchor Flat & Co, dem ein paar Männer mehr gut tun würden, wie Annegret Brake feststellte, bis zum Poeten-Treff "Klappe auf" hat sich im "Nellie" eine lebendige Szene entwickelt.

In den nächsten Monaten warten diese Gruppen vor allem mit Premieren auf: So kommen die Jugendtheater mit zwei neuen Produktionen; Gut & Edel macht nach der aufwändigen Marat/Sade-Produktion ein kleines Vier-Personen-Stück ("Frau im Sand" nach einem Roman des Japaners Kobo Abe). Die Premiere ist im Rahmen der Amateurtheatertage, die vom 26. bis zum 29. September stattfinden. Planerische Schatten wirft auch schon das nächste Jahr: Da wollen sich alle Nellie-Gruppen unter Regie von Vaclav Spirit mit einem gemeinsamen Auftritt in die Feiern zum Stadtjubiläum einbringen und der Jazzchor plant ein Konzert mit der Stadtmusik. 

Kontinuität brachten im übrigen die Wahlen: Vorsitzende bleibt Annegret Brake; Stellvertreterin ist wie bisher Gundel Maier.

Zur Debatte im BZ-Forum „Kultur satt?“:

Der Anspruch: "Kultur für alle"

Leserbrief von Bernhard Höchst, Lörrach, am 10.2.2001 in der Badischen Zeitung

Es gab Zeiten in Lörrach, da fragte man sich, ob es eine Kultur außerhalb der Kneipen gibt. Kulturelle Höhepunkte reduzierten sich auf Zunftabende und Vereinsfeiern. Berechtigt, aber dennoch ein sehr eingeschränktes Spektrum von kulturellem Erleben. Natürlich gab es für die Unentwegten immer noch die Flucht in die Basler oder Freiburger Kulturszene, wo für jeden Geschmack etwas geboten war und ist. Und das ist gut so. Gerade hier zeigt sich die "grenzüberschreitende Funktion" von Kultur in dieser Region.

Mittlerweile haben viele Städte und Gemeinden ihre Kulturarbeit als Marketing- und Identitätsfaktor entdeckt und dafür Motivation gefunden, in diesen Bereich verstärkt zu investieren. Wenn jetzt der Wehrer Kulturamtsleiter der "neuen Unübersichtlichkeit" das Wort redet, dann sollte er doch deutlicher benennen, für wen dies eigentlich ein Problem darstellt. Etwa für diejenigen, die ausschließlich auf volle Säle schielten und die Frage von Qualität nicht mehr stellen? Oder dem so vermeintlich hoch geschätzten Publikum keine Auswahl zugestehen wollen? Ich schätze es, dass sich in den letzten Jahren ein breites Angebot in den unterschiedlichsten Sparten von Kultur entwickelt hat. Dazu hat ganz wesentlich in Lörrach das Nellie Nashorn beigetragen, wo mit einem minimalistischen Etat ein großer Beitrag zur kulturellen Vielfalt in dieser Stadt geleistet wird. Darüber hinaus hat sich ein breites Spektrum von zum Beispiel Kulturinitiativen und Amateurtheatergruppen in der Stadt und im Landkreis Lörrach entwickelt, das eine Bereicherung der kulturellen Szenerie darstellt.

Natürlich stellt der neue Burghof eine Erweiterung des bisherigen Angebotes in Lörrach dar, was ich zu schätzen weiß. Dennoch muss sich Herr Bürgel differenzierter mit der Frage der Qualität auseinandersetzen. Was sind die Kriterien, wer hat die Definitionsmacht? Die Perspektive eines globalen Kulturverständnisses sollte nicht blind machen für das, was vor Ort an kultureller Leistung von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt erbracht wird. Auch sie lösen einen Anspruch von künstlerischer Qualität ein und tragen mit ihrer Arbeit Kultur über die lokalen Grenzen hinaus. Ich kann nur Herrn Paßlick zustimmen, wenn er am Ende seines Beitrages die Frage nach dem emanzipatorischen Ansatz von Kulturpolitik als wichtiger denn je bezeichnet. Und dabei geht es tatsächlich um das, was vor vielen Jahren nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis ihrer städtischen Kulturarbeit Hilmar Hoffmann und Hermann Glaser als Anspruch formuliert haben: "Kultur für alle".

20. Januar 2001

Der Hauptausschuss des Gemeinderates erhöhte den jährlichen Zuschuss auf 160000 Mark

Hilfe für das Nellie Nashorn

LÖRRACH (don). Der Verein Nichtsdestotrotz kann weiterhin mit erheblicher finanzieller Unterstützung durch die Stadt rechnen. Am Donnerstag beschloss der Hauptausschuss, den Zuschuss für die nächsten beiden Jahre um jeweils 30'000 Mark auf 160'000 Mark zu erhöhen. Damit wurden die Dissonanzen, die bei den Haushaltsberatungen im Dezember des vergangenen Jahres entstanden sind, beigelegt.

Damals gab es erhebliche Vorbehalte gegen die beantragte Erhöhung des Zuschusses um 55'000 auf 185'000 Mark. In der Zwischenzeit fanden weitere Gespräche zwischen Kulturreferent Helmut Bürgel und Vertretern des Nellie Nashorn statt. Es kam bei den Kostenrechnungen auf der Basis betriebswirtschaftlicher Überlegungen zu einigen Korrekturen. Der Verein hatte außerdem seine Bilanz und Kostenplanungen von der Loeba überprüfen lassen. Bürgel hielt es nicht für vertretbar, den Gastronomiebereich des soziokulturellen Zentrums, wie zunächst erwünscht, zu subventionieren. Vielmehr sollten die städtischen Zuschüsse zur Finanzierung des Kulturprogramms eingesetzt werden.

Das Nellie Nashorn will künftig auch einen höheren Anteil aus dem Erlös des Gastrobetriebes für Betriebs- und Bewirtschaftungskosten einsetzen, zusätzliche Lohnerhöhungen selbst erwirtschaften und die Kosten im Gastronomiebereich durch Rationalisierungen senken. Mit seiner „vegetarischen Küche“ liege das Nellie Nashorn in der jetzigen BSE-Krise goldrichtig, meinte Bürgel. Es gebe gute Ansätze, die guten Ergebnisse des Gaststättenbetriebes weiter zu verbessern.

Im Landesvergleich aller soziokulturellen Zentren, so hob der Kulturreferent anerkennend hervor, erbringe das Nellie Nashorn einen untypisch hohen Anteil an eigenen Ensembles und Produktionen. Dem Vorschlag der Verwaltung, den Zuschuss um 30'000 Mark zu erhöhen, stimmte der Ausschuss jetzt vorbehaltlos zu. Aufgrund der höheren Zuschüsse der Stadt sei auch mit einer Erhöhung der Landeszuschüsse zu rechnen, so Helmut Bürgel. Sprecher aller Fraktionen anerkannten die gute Arbeit, die das Nellie Nashorn in der Stadt seit Jahren leiste. Es sei niemals Absicht gewesen, diese in Frage zu stellen. Klaudia Klein (SPD) erkundigte sich, wann endlich mit dem Bau des Foyers gerechnet werden könne. Ohne dieses müsse der Verein weiter mit einem Provisorium zurechtkommen. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm gab zu verstehen, man strebe in den gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Anliegern einen Vergleich an und bemühe sich, zu einem baldigen Ergebnis zu kommen. Ohne Vergleich müsse das ganze Verfahren nochmals aufgerollt werden. Am Ende der Sitzung äußerte sich Anette Eckstein über die Entscheidung des Hauptausschusses zufrieden:. „Damit können wir leben“, so ihr Kommentar.

am 20.1.2001

Kulturzentrum Nellie muss sich nach der Decke strecken

Hauptausschuss billigte abgesteckten Zuschuss-Kompromiss: Zuschuss-Aufstockung nur um 30000 auf 160000 Mark

Lörrach (cp). Das soziokulturelle Zentrum „Nellie Nashorn" wird sich künftig mehr nach der vorhandenen finanziellen Decke strecken müssen. Der Hauptausschuss des Gemeinderats genehmigte im Nachtrag zur Haushaltsplanberatung für das laufende Jahr eine Aufstockung des Zuschusses der Stadt um nur 30000 auf 160000 Mark anstelle der geforderten Anhebung auf 185000 Mark. Das bedeutet: Diese Einrichtung, an deren Bedeutung niemand im Ratsrund Zweifel ließ, wird sich künftig vor allem um mehr Wirtschaftlichkeit im Betrieb der vereinseigenen Gastronomie bemühen müssen.  

Kulturreferent Helmut Bürgel, der schon im Vorfeld der zuruckliegenden Etatberatungen Gespräche mit dem Trägerverein ,,Nichtsdestotrotz" geführt hatte, informierte in der Hauptausschuss-Sitzung am Donnerstagabend über das Ergebnis seines Bemühens um Ordnung in den Finanzen des Vereins. FWV-Sprecher Werner Lacher formulierte, was auch andere Ratskollegen immer wieder herausstellten: Es muss beim Nellie Nashorn weitergehen. Fritz Reitter, Chef der Unions-Fraktion, bezeichnete wie die Oberbürgermeisterin in ihrer Einleitung das sozio-kulturelle Zentrum als eine ,,sehr wichtige Einrichtung für die Stadt Lörrach und die Region". Es verdiene daher die Unterstützung der Politik (Reitter).

Klaudia Klein   (SPD) verwies auf die „unsägliche Situation"  mit dem nach wie vor fehlenden Foyer,   wodurch die Zahl der Nellie-Besucher  stark eingeschränkt werde und damit auch die Einnahmen beeinträchtigt würden. Oberbürgermeisterin   Gudrun Heute-Bluhm berichtete, es gebe nach wie vor keine Einigung mit dem Nachbarn, der gegen das grenznahe Bauwerk Einspruch eingelegt hat. Noch immer laufe der Prozess. Ein zweites  Genehmigungsverfahren  der Stadt ziele inzwischen auf einen Vergleich ab.

Helmut Bürgel erläuterte dem Ausschuss die Ergebnisse der Bestandsaufnahme beim Nellie Nashorn und von den für die Zuschusserhöhung unerlässlichen Abmachungen mit dem Verein:

Revision des Wirtschaftsplanes und Korrektur einzelner wirtschaftlich problematischer Bereiche als da sind Personalkosten und Wareneinsatz, höherer Anteil der Gastronomie zu den Haus-Betriebs- und Bewirtschaftungskosten. Alles das wurde vom Verein akzeptiert. Der ursprüngliche Wirtschaftsplan wurde entsprechend korrigiert. Die Gastronomie übernimmt zusätzlich 17 000 Mark an den Hausbetriebskosten, und die Personalkosten werden gesenkt. Der Verein verpflichtet sich,

- weitergehende Lohnerhöhungen selbst zu erwirtschaften.

- Rationalisierungs- und Verbesserungsmaßnahmen  im  Gastronomiebereich vorzunehmen,

- höhere Beiträge der Gastronomie zu den Hausbetriebskosten zu leisten.

Mit der Erhöhung des städtischen Zuschusses um 30000 Mark wird auch voraussichtlich der Landeszuschuss ans Nellie um 15 000 Mark angehoben. Schließlich erinnerte Bürgel daran, dass die erhöhten Kosten des Nellie-Nashorn-Kulturprogramms auch daher rühren, dass im Landesvergleich aller sozio-kulturellen Zentren das Lörracher Nellie einen „untypisch hohen Anteil an eigenen Ensembles und Produktionen" hat, was eigentlich zu begrüßen sei.


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