NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2011

Junges Theater Nellie Nashorn

Die Welle

Regie: Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Der Lehrer Ben Ross startet ein gewagtes Experiment. In seiner Geschichtsklasse glaubt niemand, dass eine Minderheit eine Mehrheit einschüchtern und beherrschen kann. Wenn die Mehrzahl aller Deutschen unter Hitler keine Nazis gewesen sind, warum haben sie nicht versucht, den Holocaust zu verhindern? Zur Beantwortung solcher Fragen startet das Experiment. Schon nach wenigen Schulstunden hat Ben Ross seine Klasse so diszipliniert, dass schnell klar wird: die meisten Schüler sind bereit, ihre Individualität zugunsten eines bequemen, unselbständigen und disziplinierten Verhaltens aufzugeben. Nach wenigen Tagen folgen die Schüler blindlings Ross Anweisungen und kommen zu einer Versammlung, wo der Führer einer neuen Jugendbewegung, mit Namen "Die Welle", sein Programm verkünden soll. Ross hält den Versammlungsteilnehmern den Spiegel vor und konfrontiert sie mit ihrer Bereitschaft, ihm und der Bewegung bedingungslos folgen zu wollen.

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Presse

 
Die Oberbadische vom 4.7.11

Experiment mit fatalen Folgen

Junges Theater Nellie Nashorn inszeniert das Stück „Die Welle“ / Beeindruckende Premiere


Von Ursula König

Lörrach. Gruppenstärke contra Individualität; Gleichmarsch auf Kosten der persönlichen Freiheit: Das „Junge Theater Nellie Nashorn“ hat unter der Regie von Birgit Vaith den Roman „Die Welle“ umgesetzt und das Publikum mit beklemmenden Fragen nach Hause geschickt.

Sind die Geschehnisse im Dritten Reich in der heutigen Zeit wiederholbar? Wären vor allem junge Menschen trotz des Wissens darüber manipulierbar, wenn sie einer Führerperson vertrauten? Die Premiere am Samstag vor ausverkauftem Haus zeigte wie stark das Interesse an dem Stoff ist, der auch als Film, mit Jürgen Vogel in der Rolle des charismatischen Lehrers Ben Ross, Kinosäle füllte.

Was für den eher legeren Pädagogen zunächst als Experiment gedacht war, gerät auch für ihn zunehmend außer Kontrolle. Zu tief sind die Abgründe, in die sich alle Beteiligten verstricken, zu stark wird der Sog, mit dem die neu gegründete Bewegung „Die Welle“ alle erfasst.

Sparsam eingesetzte Requisiten und raffinierte Dramaturgie lassen den Zuschauer Teil des Geschehens werden. Er wird Augenzeuge, wenn er Schritt für Schritt mit verfolgen kann, wie in einer modernen Schulklasse der Nährboden für ein Klima des Drills, der Manipulation und der bedingungslosen Konformität gesät wird. Die Bühne ist eingerahmt mit Bücherstapeln.

Im Zuschauerraum werden Stimmen laut. Unbemerkt hatten sich die jungen Schauspieler unter das Publikum gemischt. Die Schüler der Geschichtsklasse stellen sich vor. Ihre Themen sind Football, Kino, persönliche Träume und Ausgrenzung.

Und an dieser Stelle knüpft die Inszenierung an. Waren alle Deutsche Nazis? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Schüler im Unterricht. Wenn nicht, so fragen sie, warum wurde dann der Holocaust nicht verhindert?

Eigentlich möchte Lehrer Ben Ross seinen Schülern nur zeigen, wie schwer es sein kann, sich dem Zwang einer Gruppe zu entziehen. Denn für die Schüler ist das Verhalten der Deutschen während des Nationalsozialismus ein Rätsel. Was zunächst mit Disziplin und Ordnung beginnt, gerät bald außer Kontrolle.

Der Lehrer wird als „Führer“ Teil der Bewegung, die ihre eigenen Regeln hat und jeden ausgrenzt, der sich diesen widersetzt. Für die Anhänger der Welle ist die Faszination zu groß, Teil von etwas Außergewöhnlichem zu sein. Wäre da nicht der Druck der Schulleitung und der besorgten Eltern, bliebe offen, wie weit jeder Einzelne gehen würde.

Mit überzeugender Intensität entwickeln die jungen Schauspieler den Prozess der Eigendynamik und vermitteln glaubwürdig die Botschaft, dass Wissen und Aufklärung nicht davor schützen können, unter bestimmten Voraussetzungen an faschistoiden Systeme mitzuwirken. Darsteller: Julien Combelles, Brigitta Doppstadt, Julia Gebhardt, Paula Grzesiek, Sven Klassa, Sharon Leitner, Frederik Nickel, Charlotte Oehler, Anne Windhausen

BZ vom 05.07.2011

Das Ende der Individualität

Das Junge Theater Nellie Nashorn hat in Lörrach "Die Welle" inszeniert

Effekthascherei und Entertainment ist nicht ihr Ding. Deshalb wollten die Spielerinnen und Spieler des Jungen Theaters Nellie Nashorn den gleichnamigen deutschen Film aus dem Jahr 2008 mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle von vornherein nicht bedienen, als das Ensemble sich die Dramatisierung des Romans "Die Welle" von Morton Rhue für seine aktuelle Inszenierung aussuchte. Es setzt sich mit der Entstehung faschistoiden Denkens und Handelns auseinander und ist auch ohne Schießerei am Ende ein beklemmendes Bildungsdrama.

Basierend auf einer wahren Begebenheit, einem Unterrichtsversuch aus dem Jahr 1967 in einer Highschool in Kalifornien, geht es in dem Stück keineswegs um "Schnee von gestern" , wie der Schüler Brian (Julia Gebhardt) zu Beginn meint, als der Ben Ross (Julien Combelles) versucht, seiner uninteressierten bis gelangweilten Klasse das ganze Ausmaß des Dritten Reichs zu erklären.

Ausgangspunkt der fiktiven Schülerbewegung mit Namen "Die Welle!, die der Geschichtslehrer startet, ist die Frage, warum sich die Deutschen nicht gegen das brutale Naziregime gewehrt und warum sie nicht versucht haben, den Holocaust zu verhindern. Wären die damaligen Geschehnisse in einer "aufgeklärten" Gesellschaft wie der heutigen überhaupt noch wiederholbar? Reicht der Wahn eines einzelnen Mannes, das Volk in einen Haufen Mitläufer zu verwandeln?

Die Bühne im Lörracher Nellie Nashorn wird umrahmt von Bücherstapeln — ein Bild für Verkopfung — , aber zunächst bleibt sie menschenleer. Aus den Publikumsreihen heraus ergreifen plötzlich Schüler das Wort. Ihr Leben kreist um das nächste Footballspiel und Kinofilme, um Freundschaft und Ausgrenzung — das entnimmt man ihren Worten. Als dann der Lehrer von der Bühne aus mit dem Unterricht beginnt, fühlt man sich zunächst eher als Mitschüler, denn als Zuschauer. Dass hier Schüler von echten Schülern gespielt werden, macht das Geschehen besonders authentisch und den Gleichaltrigen im Publikum klar: "Das hier geht auch um uns." Schon nach wenigen Schulstunden hat Ross seine Klasse diszipliniert. Er lässt sie strammstehen und gibt Befehle im Kasernenton, führt einheitliche Kleidung und einen Handgruß ein. Das irritierende an der Geschichte ist, dass die jungen Leute ihm keineswegs widerwillig, sondern freudestrahlend folgen. Über jede neue Regel sind sie so begeistert, als hätten sie ihr Leben lang darauf gewartet. Sie geben ihre Individualität auf, brüllen die Parolen "Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft" , denunzieren Abweichler wie Laurie (Paula Grzesiek) -— "Die Welle geht zu weit" — und drohen schließlich auch mit Gewalt. Die Warnung seiner Frau (Sharon Leitner), das Experiment fortzuführen, schlägt Ross in den Wind.

Besonders der dauergemobbte Außenseiter Robert, grandios gespielt von Charlotte Oehler, fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben nicht bloß wohl, sondern als Teil von etwas Außergewöhnlichem. Schon immer hatte er sich gewünscht, zu einer Gruppe zu gehören. Je mehr das Experiment außer Kontrolle gerät, desto apathischer wird sein Blick. Unter Regie von Birgit Vaith verwandeln sich auch die anderen Darsteller von Individuen zu Mitläufern (Birgitta Doppstadt, Sven Klassa, Frederik Nickel, Maren Hätty, Anne Windhausen). Neben dem glaubwürdigen Spiel galt es, eine wahre Textflut zu bewältigen. Mit "Die Welle" gelingt dem JTNN erneut ein beeindruckendes Stück Jugendtheater.

Barbara Ruda

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Fotogalerie

Generalprobe am 2.7.2011

 

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Fotos: Thomas Quartier

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Es spielen:
 
Julien Combelles Birgitta Doppstadt
Julia Gebhardt Paula Grzesiek
Sven Klassa Sharon Leitner
Frederik Nickel Charlotte Oehler
Anne Windhausen Maren Hätty
   
Regie Birgit Vaith
   
Regieassistenz Maren Hätty
Lichttechnik Florian Porsche
Plakat Paula Grzesiek
Programmgestaltung Andrea Schaller
Fotos/Video Thomas Quartier
   

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@nellie-nashorn.de