NELLIE NASHORN

CO PRODUKTIONEN 2010

Junges Theater Nellie Nashorn (Lörrach, D)
Môm Théâtre
(Rombas, F)

BÜRO DES HUMORS /
BUREAU DE L'HUMOUR


Regie: Nicolas Turon & Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Das Büro des Humors ist eine staatliche Einrichtung, um das Lachen zu verwalten. Hier wird das Lachen auf seine Alltagstauglichkeit geprüft. Das Büro entscheidet, ob Gags, Witze, Kalauer, Situationskomik und schwarzer und kindischer Humor lustig sind und somit für die Außenwelt freigegeben werden können. Die Ereignisse der Außenwelt spitzen sich zu, die Arbeitsüberlastung steigt, neue Kollegen müssen eingestellt werden. Die Angestellten des Büros werden durch die überraschende Ankunft einer Person, die von draußen kommt, vor eine alles entscheidende Gewissensfrage gestellt.

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Presse

BZ vom 18.10.2010

Humor ist eine ernste Sache

Das Junge Theater Nellie Nashorn und Les Hippopotames zeigen "Das Büro des Humors"

LÖRRACH. Tanz und Theater, Sprache und Rhythmus, Witz und Kritik — das alles vereint das gelungene Gemeinschaftsprojekt des Jungen Theaters Nellie Nashorn mit Les Hippopotames aus Frankreich. Kürzlich war die Premiere im Hans-Thoma-Gymnasium.

Augenscheinlich absurde Arbeit verrichten die Mitarbeiter im Büros des Humors. Aber wie kann man Humor denn auch mit Ernst angehen? Denn um den geht es schließlich, wenn dort Tag für Tag Akten über den Tisch geschoben und mit übertriebenem Eifer und viel Lärm mit Stempeln übersät werden. Übertriebene Gesten bleiben das gängige Stilmittel des Stückes; einzelne Handgriffe werden vergrößert, aufgeplustert und wirken somit noch sonderbarer.

Die Schar schwarzweiß uniformierter Beamter eilt geschäftig umher, reicht in eingespielten Gesten gewichtig Dokumente umher, vermisst, analysiert und horcht Scherzartikel ab, um schließlich abwechselnd in Französisch und Deutsch ihre Erkenntnisse zu verkünden. Diese groteske Situationskomik animiert das Publikum zu lautem Lachen. Und das, obwohl — oder gerade weil — die Angestellten des Büros ihre Aufgaben mit Professionalität und dem dazu nötigen Ernst verrichten: Synchron knöpfen sie abends die schwarzen Jacketts auf und bringen sich, um den einzigen Tisch versammelt, stehend oder auf ihm sitzend, in Schlafposition. Der Sinn ihrer Arbeit, von den jungen Akteuren als eine tänzerische Choreografie seltsamer, aneinandergereihter Tätigkeiten dargestellt, erschließt sich den Zuschauern erst im Laufe des Stückes. Man erfährt, dass die Uniformierten im Dienst des Staates Humor und alles, was dazugehört, auf seine Tauglichkeit überprüfen, bevor er offiziell zugelassen wird. Sie befolgen dabei strikte Regeln, die ihnen die Regierung vorgibt, und überwachen sich gegenseitig mit Argusaugen. Wer außerhalb der Bürozeiten lacht, oh la la, der wird gleich mehrfach (und selbstverständlich bilingue) an seine Vorgaben erinnert. Sprache wird zu einem rhythmischen Element, dass die Optik verstärkt; die Zweisprachigkeit fungiert als Echo, wenn die äußerlich schwer auseinander zu haltenden Angestellten wie Marionetten das Gesagte mehrmals in den verschiedenen Sprachen wiederholen.

Trotz der völligen Losgelöstheit von Zeit und Raum und dem vordergründig rein unterhaltsamen Charakter des Stücks klingt deutlich Sozialkritik mit: eine Anklage an die Bürokratisierung und die Verkopfung der Gesellschaft im Allgemeinen. Im Zeitalter der Lachseminare und Selbstfindungstrips sollte diese Kritik durchaus nicht auf taube Ohren stoßen.

Im Falle des "Bureau de l’humour" bietet sich letztendlich ein Ausweg aus der Absurdität. Ein Fremder, der in das von der Außenwelt abgeschirmte Büro eindringt, erzählt den Angestellten von "draußen" und öffnet für sie seinen Koffer voller Erinnerungen an eine längst vergessene Zeit. Er gemahnt sie daran, was wahre Freude ist, und überzeugt sie so schließlich, aus ihrer Isolation auszubrechen.

Dilbahar Askari


Die Oberbadische vom 13.10.10

Wann darf gelacht werden?

„Büro des Humors“ mit dem Jungen Theater Nellie Nashorn und „Les Hippopotames“

Lörrach (dr). Das aktuelle Theaterstück „Büro des Humors“ des Jungen Theater Nellie Nashorn ist so aktuell, als sei es erst vor zwei Wochen erarbeitet worden. Dabei ist die Koproduktion zusammen mit „Les Hippopotames“ aus Frankreich, die jetzt vier Mal in der Aula des Hans- Thoma-Gymnasium aufgeführt wurde, bereits ein Jahr lang vorbereitet worden.

Das Büro des Humors ist ein staatliches Ministerium, in dem das Lachen verwaltet wird. Hier wird das Lachen auf seine Alltagstauglichkeit geprüft, genehmigt oder abgelehnt. Beamte entscheiden, ob Gags, Witze, Kalauer, Situationskomik, schwarzer und kindischer Humor lustig sind und somit für die Außenwelt freigegeben werden können.

Dabei hält sich die Bürokratie mit immer neuen Mitarbeitern selbst am Leben. Zusehends verlieren sie dabei den Kontakt nach draußen zu den Menschen. Plötzlich dringt ein normaler Mensch von außen in die heile Welt der Ministerialbeamten ein. Diese erkennen mit einem Mal, dass sie gar nicht mehr wissen, wie es „draußen“ überhaupt aussieht und was die einfachen Menschen denken und fühlen. Hier liegt die Brisanz des Stückes. Ob „Stuttgart 21“ oder der Ausstieg aus dem Atomausstieg - in letzter Zeit fragen sich etliche Bürger zunehmend, ob „die da Oben“ überhaupt noch wissen, was die Menschen denken, fühlen und wollen.

Das Theaterstück wurde von den 14 Jugendlichen aus den beiden Nachbarländern komplett zweisprachig erarbeitet. Alle Sätze werden in beiden Sprachen gesprochen. Mit viel Tiefgang hatten Birgit Vaith und Nicolas Turon das Stück inszeniert. Viele Passagen wurden pantomimisch oder mit tänzerischen Elementen äußerst plastisch dargestellt.


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Fotogalerie

deutsche Premiere am 9.10.10

 

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Fotos: Silke Quartier

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Es spielen:
 
Apoline Reisch Margot Muller
Robin Verdusen Luc Guillaume
Tom Roelens Fiona Leqoeuvre
Laura Ceccarelli Caroline Specia
Julien Combelles Paula Grzesiek
Maren Hätty Mathilde Leibfried
Charlotte Oehler Kirstin Quartier
   
Regie Nicolas Turon & Birgit Vaith
Regieassistenz Petra Jeroma
   
Kulisse Jean-Christoph Roelens
Workshop Puppenspiel Yannick Toussaint
Soundeffekte Jérémie Gasmann

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@nellie-nashorn.de