Zum Stück
Der 15-jährige Ricki wohnt mit der attraktiven
Cindy auf dem elterlichen Dachboden. Nur bei ihr fühlt er sich geborgen. Nur
bei ihr fängt er nicht an zu stottern. Sie wird ihn auch nicht verlassen,
wie seine Mutter, die die Familie mit einem Scheidungskrieg überzogen hat,
denn seine „große Liebe“ ist eine Schaufensterpuppe. Und obwohl Cindy die
einzige zu sein scheint, die weiß, was Liebe bedeutet, wird sich Ricki am
Schluss des Stückes der Realität stellen und Cindy zurücklassen.
In
diesem Theaterstück agieren absurde und zugleich alltägliche Figuren,
verstrickt in ein komplexes Gebilde von Verbindungen, Beziehungen und
Freundschaften.
Themen der Partnerwahl, der Bewältigung von
gescheiterten Liebesbeziehungen und der Neuorientierung werden humorvoll und
leicht erzählt, ohne dabei bagatellisiert zu werden.
Der Autor Zoran Drvenkar hat für dieses Theaterstück
den Münchner Jugend-Dramatikerpreis 2000 und den 2. Platz des
Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreises 2004 erhalten.
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Presse
BZ vom 07.07.2009
Spiel um Trennung und Abschied
Mit dem Stück "Traumpaar" verabschiedet sich das
älteste Ensemble des Jungen Theaters Nellie Nashorn aus Lörrach
Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda
LÖRRACH. Für ihre letzte Inszenierung hat sich
die älteste Gruppe des Jungen Theaters Nellie Nashorn Zoran Drvenkars mit
dem Jugend-Dramatikerpreis 2000 ausgezeichnetes Gegenwartsstück "Traumpaar"
ausgewählt. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass die Themen Abschied,
Trennung und Trauer die Figuren des Stücks wie ein roter Faden verbinden.
Sie einen auch die Spielerinnen und Spieler, die nach dem Schulabschluss nun
ihrer Wege gehen.
Das erfahrene Ensemble erzählt die Geschichte vom
Weggehen leicht und mit Humor, aber ohne zu bagatellisieren. Ricky ist 15
Jahre alt und liebt Cindy. Die beiden leben glücklich miteinander auf dem
Dachboden der elterlichen Wohnung, schauen nächtelang Bruce-Willis-Filme und
diskutieren über Gott und die Welt. Nur wenn Ricky mit Cindy spricht,
verschwindet sein Stottern. Cindy, so weiß Ricky sicher, wird ihn auch nicht
verlassen wie seine Mutter — eine Paraderolle für Petra Jeroma, die herrlich
exaltiert darüber hinweg spielt, dass sie im Stück doppelt so alt ist wie im
wirklichen Leben. Die Mutter hat die Familie mit einem Rosenkrieg überzogen,
aber auch der Vater (Lukas Löffler) legt reichlich skurrile Charakterzüge an
den Tag. Er verwüstet im Bemühen, seiner Exfrau alles was ihr wertvoll war
zu nehmen, ihr Pflanzenparadies im Garten. Im Stück "Traumpaar" agieren Mann
und Frau, nicht Vater und Mutter.
Die Diskussionen sind bereits
geführt, die Entscheidung ist längst gefallen. Ricky und seine Schwester
Nathalie (Magdalena Vaith) ziehen mit ihrem Vater von Berlin nach München.
Keiner der Beteiligten weiß, wie diese Veränderung sich auf ihr Leben
auswirken wird. Am meisten leidet Ricky darunter. Am liebsten hätte er, dass
alles beim Alten bliebe. Auch die traditionellen Familienbilder — und seine
Liebe zu Cindy. Doch am Ende wird er sie auf dem Dachboden zurücklassen.
Dass Cindy eine Schaufensterpuppe ist, auf die der jugendliche
Außenseiter seine ganzen Gefühle projizieren konnte, erschließt sich erst
mit der Zeit. Leonie Reissner hat als Cindy eigentlich nur eine Sprechrolle.
In starrer Haltung sagt sie ihre Sätze. Sehr sensibel fühlt sich Anette
Honold in den Jungen Ricky ein, lässt die Zuschauer an seinen Enttäuschungen
und Hoffnungen teilhaben, an seinem in manchen Szenen verzweifelten Abschied
von zu Hause, seiner Cindy und letztendlich auch seiner Kindheit. Bevor es
soweit ist, bereiten Rickys Freunde ihm noch ein ganz besonderes
Abschiedsgeschenk: Einen letzten gemeinsamen Abend mit Cindy. Neben Tina
Fritsch und Augusta Warskulat geben als Gastspieler aus jüngeren
JTNN-Gruppen Mathilde Leibfried, Maike Reissner und Julien Combelles
stimmige Charaktere aus der Clique.
Der Puppe bleibt das letzte Wort.
Relativ emotionslos hält sie einen Monolog über die Liebe und fasst knapp
zusammen, worum es ging. Mit dem "Traumpaar" kann das JTNN-Ensemble noch
einmal glänzen. Ohne diese Truppe wird die Jugendtheater-Landschaft in
Lörrach ein wenig ärmer.
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