NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2008

Junges Theater Nellie Nashorn

DER GELBE VOGEL
Regie: Birgit Vaith

 
 
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Sommer 1944 im New Yorker Stadtteil Queens: Alan Silverman begeistert sich für Schlagball, Modell-Flugzeuge und wofür sich 12-jährige Jungen sonst noch so interessieren. Das merkwürdige neue Nachbarsmädchen Naomi, eine französische Jüdin, die vor den Nazis fliehen musste, interessiert ihn jedenfalls überhaupt nicht. Sie spricht kein Wort, läuft immer mit einer eigenartigen Puppe durch die Gegend und zerreißt Papier - Bogen für Bogen, rastlos und gehetzt. Doch seine Eltern wollen, dass Alan mit Naomi spielt. Auf keinen Fall, denn im Handumdrehen ist man da in den Augen der Sportsfreunde ein "Weichei". Schließlich gibt Alan dem Drängen seiner Eltern nach. Schritt für Schritt gelingt es ihm, Naomis Vertrauen zu gewinnen. Mit Geduld, Phantasie und Einfühlungsvermögen hilft er ihr aus ihrer Isolation. Eine geheime Freundschaft entspinnt sich. Ein unvorhergesehenes Ereignis macht die zart aufkeimende Lebensfreude Naomis wieder zunichte.

Das Theaterstück der „Der Gelbe Vogel“ wurde vom „Jungen Theater Nellie Nashorn nach dem gleichnamigen Roman von Myron Levoy im Rahmen des Projekts „Erinnern und Vergessen“ der Stadt Lörrach zur Einweihung der neuen Synagoge entwickelt.


 

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Presse

 
Die Oberbadische vom 14.11.08

„Aufklärungsbedarf ist noch da“

Eine Woche „Der Gelbe Vogel“: Das Junge Theater Nellie zieht eine äußerst positive Bilanz

Von Claudia Bötsch

Lörrach. „Der Gelbe Vogel“ beschreibt die Nöte Heranwachsender, aber auch den Antisemitismus und die Schrecken des Nationalsozialismus. Mit dem von Birgit Vaith inszenierten Theaterstück leistete das Junge Theater Nellie nicht nur seinen Beitrag zum Kulturprojekt „Erinnern und Vergessen“ - sondern sorgte auch für reichlich Diskussionen.
Eine Woche lang hat das Junge Theater Nellie den „Gelben Vogel“ ohne Unterbrechung aufgeführt. 632 Menschen haben das Stück besucht. Besonders viele Schulklassen, von der Förderschule bis zum Gymnasium, haben die Vorstellung gesehen und die Gelegenheit genutzt, im Anschluss mit den Schauspielern und der Regisseurin zu diskutieren. „Interessant war dabei, dass Zuschauer jeden Alters den 'Gelben Vogel' sehen wollten - und viele, die noch nie Gast im Jungen Theater waren“, sagt Vaith. Die Resonanz war sehr groß, vielen Schulklassen hatte abgesagt werden müssen. So unterschiedlich die Zuschauer, so unterschiedlich waren auch die Reaktionen auf das Stück: „Viele waren von der Thematik sehr berührt, manche haben sogar geweint.“ Viele Zuschauer hätten durch ihre emotionale Berührtheit allerdings zunächst Schwierigkeiten gehabt, sich in die Diskussion einzufinden.
Die jüngeren Zuschauer hätten sich überwiegend mit „technischen“ Fragen auseinandergesetzt, so Lukas Löffler, der den Alan spielt, der sich - zunächst widerwillig - mit der französischen Jüdin Naomi anfreundet, die vor den Nazis in die USA flüchten musste. Sie interessierte wie lange geprobt wurde oder wie die Schauspieler in ihre Rollen geschlüpft seien. Vaith beobachtete: „Die älteren Zuschauer haben sich eher direkt mit ihrem eigenen Empfinden auseinandergesetzt und sich auch emotional mit dem Stück beschäftigt.“ Viele Mütter hätten sich darüber aufgeregt, dass Alans Mutter ihren Sohn mit zu großen Anforderungen überhäuft.
Dass das Stück aber auch die Jüngeren erreicht hat, habe sich jedoch indirekt gezeigt: „Viele Schüler zeigten sich in der Diskussionsrunde überrascht, wie authentisch die Figuren agiert hätten. Ein Schüler konnte etwa nicht verstehen, dass „Naomi“ in der Diskussion schließlich ohne Akzent sprach“, sagt Vaith.
Es zeigte sich jedoch auch, dass verschiedene Schulklassen Schwierigkeiten mit dem „Gelben Vogel“ und seiner Thematik hatten. Eine Klasse habe die Vorstellung gar massiv gestört, gepöbelt und sich respektlos geäußert. „Das war jedoch die absolute Ausnahme“, sagt Vaith. „Diese Reaktion macht aber auch deutlich: Aufklärungsarbeit ist immer noch nötig“, sagt Kathi Wind vom Nellie Nashorn. Dazu gehörten auch Theaterstücke wie diese. „Geschichtsunterricht ist unverzichtbar. Unser Theaterstück vermag jedoch mehr: Es öffnet den Blick auf den Einzelnen und den Alltag der damaligen Menschen“, sagt Löffler.
Im Ganzen ziehe die Truppe ein mehr als positives Resümee und möchte das Stück weiterhin aufführen - auch wieder mit Gesprächsangebot. Denn der Bedarf sei groß - in allen Generationen. Genaue Termine stehen jedoch nicht fest - eine Einladung der jüdischen Gemeinde aus Karlsruhe hat die Gruppe aber bereits erhalten.

BZ vom 09.07.2008

Aus Zerrissenheit wird Freundschaft

Junges Theater Nellie Nashorn zeigt "Der gelbe Vogel"

Queens, New York City, Sommer 1944. Der Krieg und Nazideutschland sind weit weg. Und doch sehr nah. Betroffen hört Alan Silverman die deutsche Propaganda im Radio. Doch sein Freund Shawn will nur Musik hören. Sie spielen Schlagball und mit Modellflugzeugen. Wenn der Feind kommt, greifen sie ihn mit ihren Spitfires an. Und besiegen ihn natürlich. Doch das Bedrohliche ist längst in die Nähe gerückt. Joe Candello, der Sohn des Hausmeisters, der den Boden schrubben muss und sich benachteiligt fühlt, ist glühender Anhänger der Nazis. Er beschimpft den Juden Alan wann immer er ihr trifft. Und dann ist da ein Mädchen aufgetaucht, Naomi, eine französische Jüdin, die mit ihrer Mutter vor den Nazis aus ihrem Heimatland fliehen musste. Sie ist schwer traumatisiert, zerreißt die ganze Zeit Papier und redet mit niemandem. Die Eltern drängen Alan, sich um Naomi zu kümmern. Doch der möchte sich nicht mit einem Mädchen abgeben, zumal ihn seine Kumpels für ein Weichei halten.

Das Junge Theater Nellie Nashorn zeigt mit dem Stück "Der gelbe Vogel" auf beklemmende Weise, wie der Zweite Weltkrieg in das Alltagsleben von Jugendlichen im weit vom Kriegsschauplatz entfernten Amerika eindringt. In zarten, berührenden Szenen zeigt die Inszenierung von Birgit Vaith die vorsichtige und schwierige Annäherung zwischen Alan und Naomi, die zunächst nur über ihre Puppen Charlie und Yvette gelingt. Ausgesprochen stark und überzeugend stellt Lukas Löffler die Zerrissenheit Alans dar, der zwischen dem Wunsch, Naomi zu helfen, dem Bedürfnis, die Erwartungen seiner Freunde nicht zu enttäuschen, und der Bedrohung durch Candello steht. Eindrucksvoll, wie er immer wieder kurz davor ist, aufzugeben, dann das "Lampenmonster" spielt und Naomis Vertrauen gewinnt, worauf sich eine geheime Freundschaft und eine zarte Liebe entwickelt. Nicht weniger begeistert Petra Jeroma als verstörte, aber schließlich doch die Nähe suchende Naomi. Herrlich überdreht spielt Augusta Warskulat den Shawn, der enttäuscht ist von Alan, nicht weil er sich mit Naomi abgibt, sondern weil es vor ihm verheimlichte. Sehr präsent agieren die Schauspieler auf der Bühne und stellen verbal ebenso wie in ihrer Körpersprache glaubhaft und ergreifend psychologische Entwicklungen dar.

Mit Mut zum Widerwärtigen gibt Lis Volkmer bedrohlich den Candello, der am Ende alles zerstört. Anette Honold als Clownpuppe Charlie und Magdalena Vaith als zarte, zerbrechliche Puppe Yvette agieren ebenso sicher und glaubhaft, wie Leonie Reissner und Michael Schwiening als Mutter und Vater Silverman. Als Zuschauer ist man berührt, bedrückt und begeistert. Das Junge Theater Nellie Nashorn zeigt ein eindrucksvolles Stück, eine tolle Inszenierung und überzeugende schauspielerische Leistungen, wofür man nach der Premiere noch viele Zuschauer wünscht.

Thomas Loisl Mink

Das Stück wird während des Projekts "Erinnern und Vergessen" im November in Lörrach noch gezeigt, unter anderem bei der Einweihung der neuen Synagoge.
 


Die Oberbadische vom 4.7.08

Geheimnis einer Freundschaft

Junges Theater Nellie Nashorn spielt „Der gelbe Vogel“ nach Vorlage von Myron Levoy

Lörrach. Das Junge Theater Nellie Nashorn inszeniert das Theaterstück „Der gelbe Vogel“ (Buch: Myron Levoy) innerhalb der Veranstaltungsreihe „Erinnern und Vergessen“ anlässlich des Baus der neuen Synagoge in Lörrach. Heute Abend findet die Premiere statt. Das Stück handelt von Alan Silvermann, der sich für Schlagball und Modell-Flugzeuge begeistert. Das Nachbarmädchen Naomi, eine französische Jüdin, die vor den Nazis fliehen musste, läuft immer mit einer eigenartigen Puppe umher und zerreißt gehetzt Papier. Alans Eltern wollen, dass er mit Naomi spielt, dieser hingegen ist von der Idee weniger begeistert, da ihn seine Freunde sonst als „Weichei“ betiteln könnten. Doch nach und nach entsteht eine geheime Freundschaft, aber ein unvorhergesehenes Ereignis macht Naomis Lebensfreude zunichte. Es spielen Lukas Löffler, Anette Honold, Petra Jeroma, Leonie Reissner, Michael Schwiening, Magdalena Vaith, Lis Volkmer und Augusta Warskulat.

Nach der Gründung des Jungen Theaters Nellie Nashorns durch Birgit Vaith (1999) begann die erste Kindertheatergruppe im soziokulturellen Zentrum Nellie Nashorn zu wachsen. Mittlerweile machen in vier Theatergruppen rund 50 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zehn und zwanzig Jahren mit großer Spielfreude mit. Aufwärmspiel, Körper-, Rollen- und Sprachspiele, Improvisationen, Musik und Tanz sind wichtige Elemente der Probenarbeit. Die Stücke gleichen oft bunten Bilderbüchern, die dem Zuschauer eine lebendige Theaterwelt eröffnen. 2007 wurde dem „Jungen Theater“ der Förderpreis der renommierten „Göppinger Theatertage“ verliehen. Ein weiteres Highlight stellt die zweijährige Kooperation mit der französischen Jugendtheatergruppe „Les Hippopotames“ aus Lothringen dar.

3 Aufführungen „Der gelbe Vogel“: 4., 5., 6. Juli um 20 Uhr (Nellie Nashorn); 21. September um 17 Uhr (Altes Wasserwerk); restliche Aufführungen im Nellie Nashorn am: 3. November um 9.30 Uhr und 11.30 Uhr ; 4., 5., 6. November um 17 Uhr; 7. und 8. November um 20 Uhr
 


BZ vom 03.07.2008

Schwerer Stoff mit Freude bearbeitet

Junges Theater Nellie Nashorn spielt "Der gelbe Vogel" / Beitrag zur Reihe "Erinnern und Vergessen"

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Auch wenn es zur Eröffnung der neuen Synagoge im Herbst nicht die Veranstaltungsreihe "Erinnern und Vergessen" geben würde, wäre die älteste Gruppe des "Jungen Theater Nellie Nashorn" für ihre neue Inszenierung auf "Der gelbe Vogel" gekommen, berichtet Birgit Vaith. Die Gruppengröße habe gerade speziell für dieses Stück gepasst. "So war beides in der Luft und es hat sich super gefügt" , freut sich Theaterpädagogin.

Schließlich sei es ziemlich schwierig, eine Vorgabe für so ein Projekt auszufüllen. Die Gruppe versucht das mit der Inszenierung von "Der gelbe Vogel" . Bei diesem Roman von Myron Levoy, der mit einem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, handelt es sich um einen Stoff, der in der Nazizeit spielt.


Alle Spielerinnen und Spieler sind im Alter zwischen 18 und 20. Von dem Buch waren sie ganz fasziniert, weil es sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens, sich Findens und zu sich selbst Stehens beschäftigt. Das kommt nicht von ungefähr, wuchs der Autor doch wie seine Hauptfigur Alan Silverman im New Yorker Stadtteil Queens auf und hat in dieser Geschichte seine eigene Jugend verarbeitet. Gleichzeitig sind viele Informationen über die Nazizeit darin verpackt.

Sommer 1944 in Queens: Alan begeistert sich für Schlagball und Modellflugzeuge. Das merkwürdige neue Nachbarsmädchen Naomi, eine französische Jüdin, die ansehen musste, wie die Nazis ihren Vater erschlagen haben, interessiert ihn überhaupt nicht. In Folge des erlittenen Traumas spricht sie kein Wort, läuft immer mit einer eigenartigen Puppe durch die Gegend und zerreißt Papier. Alan soll ihr nach dem Willen seiner Eltern aus der Isolation heraushelfen. Das gelingt ihm schließlich über Puppen. "Wir haben lange überlegt, wie wir das mit den Puppen machen sollen und uns dann für echte Spieler entschieden" , erzählt Regisseurin Birgit Vaith.

Die Schwere des Stücks hat die Gruppe versucht zu brechen, indem sie die große Lebensfreude Alans und seines Freundes stark herausarbeitete. "Wir haben uns während der Proben immer wieder Auszeiten genommen für Gespräche" , sagt die Gruppenleiterin. Michael Schwiening spielt live auf der Bühne Gitarre, und zwar ein Stück des belgischen Komponisten Jacques Stotzem aus dem Jahr 1994. Als der Komponist über die Inszenierung informiert worden war, hat er das Musikstück dem "Jungen Theater Nellie Nashorn" quasi vermacht. Vom DRA (Deutschen Rundfunkarchiv) hat Michael Schwiening außerdem Sequenzen von Originaltexten Goebbels', Himmlers und Hitlers bekommen, die über Band eingespielt werden. Unterstützt wird die Inszenierung von der Stadt.

Premiere ist 4. Juli, 20 Uhr, im Nellie Nashorn. Weitere Aufführungen gibt es am 5. und 6. Juli, jeweils 20 Uhr. In der Eröffnungswoche der Synagoge werden weitere Aufführungen auch für Schulen angeboten.

 

SPUNK vom 3.7.08

Mit jüdischem Humor
[…]

Von Norman Riebesel

Am Wochenende bringt das Junge Theater Nellie Nashorn sein neues Stück „Der Gelbe Vogel“ nach dem gleichnamigen Roman von Myron Levoy auf die Bühne. Sommer 1944 im New Yorker Stadtteil Queens: Alan Silverman begeistert sich für Schlagball, Modell-Flugzeuge und wofür sich Zwölfjährige Jungen sonst noch so interessieren. Das merkwürdige neue Nachbarsmädchen Naomi, eine französische Jüdin, die vor den Nazis fliehen musste, interessiert ihn jedenfalls überhaupt nicht. Sie spricht kein Wort, läuft immer mit einer eigenartigen Puppe durch die Gegend und zerreißt Papier - Bogen für Bogen, rastlos und gehetzt. Schließlich erwacht doch Alans Interesse für das Mädchen. Schritt für Schritt gelingt es ihm, Naomis Vertrauen zu gewinnen. Mit Geduld, Phantasie und Einfühlungsvermögen hilft er ihr aus ihrer Isolation. Bis es zu Komplikationen kommt...

Ein nicht ganz einfaches Thema, dessen sich das Junge Theater diesmal annimmt. Mit „An der Arche um acht“ hat die Gruppe aber kürzlich bereits bewiesen, dass sie sich durchaus auf tiefgründigen, ja sogar subversiven Humor versteht. Regisseurin Birgit Vaith sagt dazu: „Ich möchte schwere Stücke erträglich machen. Sie sollen eine poetische Handschrift tragen. Außerdem habe ich auch den typischen jüdischen Humor mit aufgenommen.“ Dieser Begriff ist nicht leicht zu erklären. Aber wer den Oscar-gekrönten Film „Das Leben ist schön“ (1997) gesehen hat, weiß, was gemeint ist. [...]
 

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Fotogalerie

 

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Fotos: Thomas Quartier

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Es spielen:
 
Lukas Löffler Anette Honold
Petra Jeroma Leonie Reissner
Michael Schwiening Magdalena Vaith
Lis Volkmer Augusta Warskulat
   
Regie Birgit Vaith
   
Komponist Jacques Stotzem
Gitarrenbegleitung Michael Schwiening
Plakat Augusta Warskulat & Lukas Löffler
Musik Michael Schwiening
Technische Beratung / Ausführung Florian Porsche
Kostüme / Puppe Charlie Madlen Honold

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